Zeit um einfach mal nichts zu tun, um für mich Yoga zu machen, zu meditieren oder ein Buch zu lesen, nehme ich mir selten raus. Warum eigentlich? Um mir diese Zeit wieder bewusst zu geben, die ich brauche, habe ich mir eine Aufgabe daraus gemacht: 21 Tage lang täglich eine Stunde nur für mich.

Selbstständiges Arbeiten

Letztens sah ich eine Postkarte, auf der Stand: „Warum unterscheiden wir zwischen Arbeits- und Freizeit?“. Ich dachte mir, mache ich ja gar nicht. Ich bin selbstständig, kann tun und lassen was ich will. Die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeiten sind entweder gar nicht vorhanden oder sehr verschwommen.

Ich liebe es zu schreiben, baue gerade (in der Freizeit) ein Tiny House, worüber ich aber gleichzeitig ein Buch schreibe. Es ist also sozusagen Recherche und Lernerfahrung, die ich im Buch weitergeben will. Alles was ich über Zero Waste die letzten Jahre gelernt habe, ist jetzt meine „Ausbildung“, meine Grundlage, auf denen meine Workshops basieren.

Vieles davon mache ich zusammen mit Felix. Fast alles. Zeit, die wir je für uns haben, ist momentan eher knapp. Ich habe davon deutlich mehr, wenn ich zuhause bin und er auf der Arbeit. Doch erstaunlicherweise, nehme ich mir diese Zeit nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich in der Zeit genauso produktiv sein muss wie er, denn er finanziert schliesslich einiges davon. Also lege ich los, bin kreativ, schreibe, putze…

Und letztens behauptete ich dann noch, dass ich faul bin. Stimmt doch – wenn ich von Hand abwaschen muss, gucke ich, dass ich ja nicht zu viel Geschirr schmutzig mache, jeder Löffel zählt. Doch Felix fing nur laut an zu lachen. „Du und faul?“, fragte er erstaunt. „Du machst so viel!“.

Und heute morgen, als ich mir, nach einer Ewigkeit wie es scheint, wieder mal Zeit genommen habe, auszuschlafen (was bis um 7.20 ging) und einfach mal gemütlich in den Tag zu starten, eine Talkshow zum Thema Morgenroutine zu hören, fiel mir auf, dass ich mir die Zeit schon lange nicht mehr nehme, einfach mit mir zu sein.

Vielleicht habe ich auch Angst davor, dass irgendwelche Monster auftauchen würden? Denn mit mir alleine zu sein, würde ja auch bedeuten, dass niemand meine Schatten schön reden würde. Dann wäre ich plötzlich alleine und müsste mich selber lieben.

Partnerschaft

Es sind nun schon fast zwei Jahre her, seit ich Felix kennengelernt habe. Zwei wundervolle Jahre, zwei Jahre voller Gemeinsamkeit, Lernen, Eintauchen und Lieben. Kann es sein, dass ich mich dabei etwas hinter dieser Partnerschaft verstecken wollte? Es ist so leicht, von ihm geliebt zu werden, so schön.

Ich erinnere mich, dass ich kurz bevor ich ihn kennengelernt hatte, täglich Yoga praktizierte, meditierte, spirituelle Bücher las. Aber auch damals nahm ich mir viel zu wenig Zeit dafür, ich hatte das Gefühl, ständig mich irgendwo bewerben zu müssen. Ich bin eine Macherin, die sich nicht viel Zeit zum Sein lässt – so scheint es.

Irgendwann zwischen dann und jetzt habe ich aufgehört. Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal meditiert habe, Yoga habe ich schon lange nicht mehr länger als 15 Minuten gemacht. Und das, obwohl ich Zeit hätte – besser gesagt, ich mir die Zeit dafür nehmen könnte.

Das patriarchale Gesellschaftsmodell

Warum tue ich das denn nicht? Schon vor längerem habe ich einen Beitrag darüber angefangen zu schreiben, wie ich mich unter Druck fühle. Druck, dass ich Geld verdienen muss. Dass ich auch während meiner (manchmal) schmerzhaften Periode noch was leisten muss.

Und ich glaube, dass ich nicht die Einzige bin. Viele Frauen haben das Gefühl, ihren Unterhalt selber bestreiten zu müssen oder wollen dies. Abhängigkeit von einem Mann geht gar nicht. Wir können das genau so gut wie die Männer. Wir können genau gleich viel leisten. Kann es sein, dass wir versuchen, Männer zu sein, in ihre Fussstapfen zu treten?

Erst letztens wurde es mir bewusst, was für ein Geschenk es ist, dass Felix einen grösseren Anteil für die Wohnung zahlt und mir somit ermöglicht, selbständig zu arbeiten und das zu tun was ich liebe. Bloss aus welchen Gründen tue ich es denn? Weil ich das Gefühl habe, Geld damit verdienen zu müssen. Und schon kommt die Blockade.

Zeit für mich:  Die 21-Tage-Aufgabe

Während ich das hier schreibe, denke ich: Schön und gut, ich hab das Problem realisiert, doch wie bekomme ich das jetzt wieder hin?

Die Idee, eine kleine Challenge daraus zu machen, kam mir in den Sinn. Challenge ist vielleicht der falsche Ausdruck. Es soll ja eben nicht um Wettkämpfe gehen, wer es besser macht. Sondern darum, sich jeden Tag bewusst Zeit zu nehmen. Also nenne ich es Aufgabe. Passt zwar auch nicht ganz, aber was Besseres fällt mir nicht ein.

Ich nehme mir also vor, die nächsten drei  Wochen jeden Tag eine Stunde für mich selbst zu sein. Bewusst mit mir zu sein. Ja, ich habe Angst, dass ich es nicht schaffe, weil ich mir entweder Vorwürfe mache oder mir meine Schattenseiten begegnen werden. Aber ich hoffe, dass ich nach den 21 Tagen keine Challenge brauche, sondern gemerkt habe, wie gut es mir tut.

Darüber, wie die drei Wochen verlaufen sind, erfährst du dann ebenfalls wieder hier. Zudem lade ich dich ein, mit mir mitzumachen. Es muss nicht eine Stunde sein, wenn du das Gefühl hast, dass du es nicht schaffst. Hauptsache Zeit für dich.

1 Stunde – was tun?

Ich werde mir für diese Zeit nichts Spezifisches vornehmen, sondern hören, nach was mein Herz verlangt. Vielleicht ist es malen, schreiben, lesen, Yoga oder einfach ein bisschen Mantra hören. Und damit ich mich selber nicht austrickse, werde ich einen Alarm setzen. So fällt auch die Ausrede des aufs Handy gucken weg, wobei man nur allzu schnell abgelenkt wird.

Mach mit und schreibe in die Kommentare, wie die Reise für dich war 🙂