Wir heiraten

Wir heiraten

2018-10-26T06:00:13+00:00Oktober 26th, 2018|Beziehung, Selbstliebe, Spirituell|

Ah ja, da gibt es noch Neuigkeiten, die ich noch nicht erwähnt habe: Felix und ich werden heiraten. Wie es dazu gekommen ist, erfährst du jetzt.

Heiraten oder nicht?

Über’s heiraten haben wir schon vor anderthalb Jahren gesprochen, als Felix und ich zusammen im Urlaub waren. Wir haben nicht darüber geredet, wann wir heiraten wollen, aber über das Heiraten im Allgemeinen. Obwohl wir uns damals gerade mal ein halbes Jahr kannten, habe ich ihm gleich gesagt, dass ich keinen Verlobungsring will. Fand ich überflüssig. So viel Geld für etwas auszugeben, was ich eh nicht gerne trage. Zudem ist ja Schmuck oft auch in sozialer und ökologischer Hinsicht problematisch.

Da meine Eltern nie kirchlich geheiratet haben und demzufolge auch keine Fotos von der „Weissen Hochzeit“ im Wohnzimmer hingen, habe ich als Mädchen nie davon geträumt, im weissen Kleid zum Altar zu schreiten. Ich habe vorgelebt bekommen, was wahre Liebe ist. Und das war es, was ich mir erwünschte, wovon ich träumte.

Eltern zu haben, die sich auch jetzt noch sehr lieben und dies auch zeigen, ist ein Segen. Ich kenne nicht viele solche Paare. Doch gleichzeitig habe ich mich auch immer mit ihnen verglichen. Ist meine Beziehung genauso liebevoll? Ich musste erstmal realisieren, dass ich nicht meine Mum bin und meine Partner auch nicht mein Dad.

Heiraten, so habe ich von Elisabeth Gilbert gelernt, ist vor allem eine Form der Absicherung. Sie hatte nicht immer viel mit Liebe zu tun gehabt: Menschen wurden aus allen möglichen Gründen verheiratet. So wurde geheiratet, um das Überleben einer bestimmten Linie zu sichern oder um politische oder soziale Vorteile zu haben. Nicht gerade romantisch.

Aber wer kann sich schon ewige Treue versprechen? Wer kann jemandem versprechen, dass man sich bis zum Tod liebt? Woher kann man das wissen? Damit meine ich nicht, dass ich Felix nicht wirklich liebe, und mir deswegen unsicher wäre, dass ich ihn für eine längere Zeit lieben kann. Aber obwohl es sich anfühlt, als ob ich eine sehr lange Zeit mit ihm an meiner Seite verbringen möchte, kann ich ihm nicht versprechen, dass das immer so sein wird. Denn die Liebe ist frei, meiner Meinung nach. Man kann sie nicht binden, nicht fesseln, nicht erzwingen. Sie ist einfach da.

Ja, ich heirate und ich liebe Felix. Aber ich sehe die Heirat eher als einen Vertrag, der uns hilft in gewissen Situationen. Zum Beispiel wenn es um Kinder, Häuser (auch wenn sie noch so Tiny sind) und das Leben im gleichen Land geht. Klar ginge das auch mit anderen Absicherungen. Aber das einfachste ist bis heute die Ehe.

Deswegen haben wir uns entschieden, diesen Lebensabschnitt gemeinsam anzutreten. Die Liebe zu feiern mit Menschen, denen wir uns verbunden fühlen, möchten wir auch. Wie wir unsere alternative/grüne Hochzeit feiern, erfährst du in einem späteren Beitrag.

Die Verlobung

Im Mai hatte mich Felix gefragt, ob ich ihn heiraten möchte. Ohne Verlobungsring, ohne Plan. Wir kamen vom Tiny House bauen und machten uns einen gemütlichen Abend. Bei einem Gläschen Wein wurde uns einmal mehr bewusst, wie wundervoll wir es zusammen haben. Er guckte mich an, und ich wusste, dass er mich gerne fragen würde. Also versuchte ich ihm durch meinen Blick klar zu machen, dass ich Ja sagen werde. Er stand auf, kam zu mir herüber, wir umarmten uns und er fragte die Frage. Meine Antwort war ein Ja.

Unspektakulär, einfach, voller Liebe.

Commitment Issues

Wie schon erwähnt, haben wir schon länger über Heiraten und andere Formen der „Absicherung“ und Bindung diskutiert. Meist kam bei mir eine Angst hoch, Angst nicht mehr frei zu sein, nie mehr weg zu können. Eine Angst, die ich nur zu gut kenne. Denn vor ein paar Jahren war ich in meiner zweiten Beziehung mit einem wundervollen Mann, der alles für mich getan hätte. Ab und zu kamen Zweifel auf, ob er der Richtige ist, ob ich ihn für immer lieben kann. Ob er so gut zu mir passt wie mein Dad zu meiner Mum. Kurzum, ich habe nicht mein eigenes Leben gelebt, mich nicht wirklich selbst akzeptiert (was mir ab und an immer noch schwer fällt), und mich in etwas hineingesteigert. Ich konnte ihm doch nicht davon erzählen. Ich frass alles in mich hinein, bis ich nicht mehr konnte. Also habe ich ihm alles gesagt. Wir blieben aber noch ne Weile zusammen, weil ich zu sehr Angst hatte, Schluss zu machen und vielleicht auch, alleine da zu stehen. Demzufolge fühlte ich mich wie in einem goldenen Käfig.

Erst vor ein paar Wochen wurde mir bewusst, wie sehr ich darunter gelitten hatte – was ich mir da eigentlich angetan hatte. Denn im Sommer überkam mich wieder einmal Angst. Doch mit Felix ist das anders. Mit ihm habe ich gelernt zu reden. Also sagte ich ihm, dass meine grösste Angst, die ich habe in meinem Leben, darin bestehe, dass ich ihn irgendwann nicht mehr lieben werde und mich von ihm trennen muss. Kurz darauf haben wir über uns geredet und mir sind die ähnlichen Beziehungsmuster aufgefallen, die ich mit Felix und meinem damaligen Freund anwandte. Und als mir bewusst wurde, dass ich richtiggehend gemein werden kann, wenn mir keine Grenzen gesetzt werden, überkamen mich all diese Gefühle von damals.

All die Schmerzen, all die Gefühle, all die Ängste kamen hoch und wollten endlich freigelassen werden. Denn ich hatte sie damals erfolgreich unterdrückt, weggeschoben, durch Ablenkung vergessen. Endlich, endlich konnte die Energie fliessen. Ich schrie in mein Kissen, Felix strich mir über den Rücken und ich weinte, bis es vorbei war. Das Wundervolle an solchen „Ausbrüchen“ ist, dass es sich danach anfühlt, als ob man seine Seele geduscht hätte. Ich war so erleichtert, befreit.

Vielleicht werden noch einmal solche Gefühle in mir auftauchen. Aber das ist okay. Ich darf mich trotzdem lieben, so wie ich bin. Und wenn ich das tue, kann ich auch andere lieben.

Vorfreude

Standesamtlich werden wir noch dieses Jahr in den „Hafen der Ehe“ fahren (was für eine amüsante Metapher). Das Fest der Liebe wollen wir allerdings erst nächstes Jahr im Sommer feiern.

Nun, jetzt da es langsam realer wird, kann ich es kaum erwarten, Felix endlich zu heiraten. Ja, ich weiss, ich habe oben gerade von der unromantischen Seite der Ehe geschrieben, das es nur ein Vertrag ist etc. Aber ich heirate Felix ja zum Glück nicht aufgrund eines politischen oder sozialen Vorteils, sondern weil ich ihn liebe. Und deswegen freue ich mich auf den Tag und die vielen Tage mit ihm, die danach kommen.

2 Comments

  1. Kiki 26. Oktober 2018 at 2:51 pm - Reply

    Das freut mich so für euch beide. Meine herzlichsten Glückwünsche.
    Liebe Grüße
    Kiki

    • michelle 31. Oktober 2018 at 6:19 am - Reply

      Vielen herzlichen Dank liebe Kiki 🙂

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