Wie ich lernte, auch die dunklen Seiten von mir zu akzeptieren

///Wie ich lernte, auch die dunklen Seiten von mir zu akzeptieren

Wie ich lernte, auch die dunklen Seiten von mir zu akzeptieren

2018-03-27T05:59:57+00:00 Dezember 11th, 2017|Selbstliebe, Spirituell|

Die dunklen Tage laden nicht umsonst ein, in sich zu gehen und seine Schattenseiten anzugucken und Frieden zu schliessen…

… so auch vor ein paar Tagen: Ich fühlte mich leer, mit nichts und niemandem verbunden, wusste aber nicht, woher es kam. Ich konnte auch nach 2 Stunden nicht einschlafen und wehrte mich vehement gegen das Gefühl. Das half natürlich überhaupt nichts. Ich wusste, dass ich den Teil von mir nicht akzeptieren konnte, der die letzten Tage liebend gern How I met your mother geguckt hat und am liebsten jegliche Süssigkeiten verputzt hätte…

Tief im Innern wusste ich schon in der ersten Nacht, was ich zu tun hatte: In die Stille gehen. Aber ich hatte Angst davor, also lief den ganzen nächsten Tag Musik, ich unterhielt mich und vergass meine Probleme… bis ich wieder im Bett lag und nicht schlafen konnte.

Leid entsteht durch Widerstand
Doch wie Buddha schon sagte, Leid entsteht nur, wenn ein Widerstand da ist. So war es auch letztens als ich eine Grippe bekam. Erst wehrte ich mich dagegen, wollte mein volles Programm durchführen und die Schmerzen nicht spüren. Also litt ich. Sobald ich es aber einfach akzeptierte und einen Gang zurückschaltete, konnte ich es schon fast geniessen: Einfach mal nichts tun, Tee trinken und mein Bett geniessen.

Und da ich mich erst auch in dieser Situation dagegen wehrte, dass zu tun, was lösen würde, hielt ich mich an allem fest und konnte natürlich wieder nicht schlafen. Ich wollte nicht akzeptieren, dass ich nicht nur immer im Yoga-Spirit-Liebe Modus war, sondern auch mal ein Bier trinken, mich mit einer Serie unterhalten und Süssigkeiten knabbern will. Je mehr ich mich wehrte und diese innere Rebellin verleugnen wollte, desto mehr hatte ich das Verlangen nach all diesen Dingen. Und das wiederum wollte ich wieder nicht akzeptieren.

In die Stille gehen: Meditieren mit Schattenanteilen
Am dritten Abend ging ich gar nicht erst ins Bett. Ich schilderte zu später Stunde meine Situation meiner besten Freundin, die mir liebevoll befahl mich mal hinzusetzen und zu meditieren. Okay. Sie empfahl mir, diese kleine Rebellin in mir an den Strand, in ein Café oder an sonst einen schönen Fleck einzuladen und mit ihr eine Tasse Tee zu trinken…
Also setzte ich mich brav aufs Meditationskissen, schloss meine Augen und sass mit Ms Rebel am Strand. Ich begrüsste sie und erklärte ihr, dass ich sie akzeptiere und so liebe wie sie ist. Ich erklärte ihr auch, warum ich lieber selbst das Ruder in die Hand nehme und achtgeben möchte auf meinen Körper und mich.
Dann geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hätte: Der am Anfang leere Strand, füllte sich mit lauter Versionen von mir, in denen ich mich selbst nicht geliebt und akzeptiert habe:

One night I felt lonely and empty
I meditated and met myself
In a thousand pieces
Scattered all over my life
All those painful memories
When I abandoned myself
Can be filled with love
And piece by piece
I become whole again. – Michelle Bucher


Schattenanteile annehmen und integrieren – Tausend Teile verstreut

Kein Wunder habe ich mich so leer gefühlt. So oft habe ich mich selbst nicht geliebt und einen Teil von mir in der Vergangenheit gelassen – so fühlte es sich zumindest an. Einen Haufen Puzzleteile, die in meinem Lebenswerk fehlten, die verstreut über mein Leben lagen. Alte Bilder von meiner Kindheit, über meiner Jugend bis jetzt schwappten hoch. Ich war schockiert: Ich habe sehr erfolgreich verdrängt, dass ich mich selbst verlassen, aufgegeben, nicht geliebt habe. So oft habe ich um Liebe gebettelt, konnte nicht vergeben, brauchte Aufmerksamkeit und Lob, tat mir selber weh.

Okay. Zumindest den ersten Schritt hatte ich gemacht: Bewusst werden.

Doch wie kann ich diese Teile von mir akzeptieren? Von meinem heutigen Stand aus, hätte ich natürlich ganz anders reagiert in diesen Situationen. Dass die Antwort Liebe ist, wusste ich. Doch so einfach war es aber nicht gelöst.

Am nächsten Tag sprach mich mein Freund an, und ich erzählte ihm unter Tränen meine neue Erkenntnis. Er nahm mich in den Arm und sagte mir etwas, was mich sehr berührte:

«Als du deinen kleinen Zeh heftig angestossen hattest, hat er dir auch wehgetan oder? Wolltest du ihn deswegen loswerden?
Dasselbe gilt für Teile von dir. Ja, sie tun dir weh, aber sie können genauso heilen, wie dein kleiner Zeh.» – Felix

Ha, ich war erstmal sprachlos. Es klickte in meinem Kopf. Ja, meinem Zeh geht es wieder super. Nein, natürlich wollte ich ihn nie loswerden, auch wenn er weh tat. Und ja, es gibt Teile von mir, die ich nicht so gerne sehe. Aber die haben mich genauso zu diesem Jetzt geführt, wie die lachende Sonne in mir.

Ehrlich sein mit sich selbst – Das Puzzle zusammensetzen
Ich erinnerte mich an eine Passage aus einem Schamanen-Buch, das ich gerade lese. Angaangaq, ein Schamane aus Westgrönland erhielt die Aufgabe auf einen heiligen Berg zu steigen und 24 Stunden lang mit Gott über sich selbst zu reden. Er hatte schon viele Male für die gleiche Zeitspanne meditiert, wusste aber nicht, was er so lange von sich erzählen sollte. Als er nach zwei Stunden auf dem Berg, nichts mehr zu erzählen wusste, wurde ihm etwas bewusst:

«In diesem Moment erkannte ich, wie viele Geheimnisse ich vor mir habe. Und dass es da einige gab, von denen selbst Gott nichts wissen sollte – niemals. Aber es gab keinen Ausweg, also begann ich. […]
Und immer noch kamen verborgene Geheimisse ans Licht, die ich zurückgehalten hatte. Ich erkannte, dass ich kein Geheimnis vor mir haben durfte, ich musste alles offenlegen. Laut und deutlich»– Angaangaq (Altes Wissen für eine neue Zeit, S. 65)

Diese tiefgehende Erfahrung empfand Angaangaq als die schwierigste, schmerzvollste und unglaublichste seines Lebens. Nur ein paar Tage zuvor dachte ich, dass das ja nicht so schwer sein kann. Doch da stand ich, mit meinen vielen Geheimnissen und brauchte einen Weg, sie einzugestehen.

Also setzte sich mein Freund und ich in den Flur und ich begann zu erzählen. Mein Freund hörte mir bloss zu, ohne Wertung. Es brauchte extrem viel Mut, ihm gewisse Dinge zu gestehen, die ich getan hatte. Sie ihm zu erzählen, half mir, sie mir selbst einzugestehen und zu sehen, dass sie gar nicht so schlimm waren. Dass die Puzzleteile zu mir gehören. Es war so erleichternd. Ich habe ihm meine verletzlichste, dunkelste Seite gezeigt. Und wie Angaangaq wurde ich nicht bestraft, sondern mit Erleichterung und Freude, Liebe und Akzeptanz belohnt.

Und so konnte ich, Puzzleteil für Puzzleteil wieder annehmen und in das grosse, wundervolle Bild namens Leben einfügen. Vielleicht fehlen mir immer noch ein paar… aber jetzt weiss ich, wie es geht.

Leave A Comment