Wie ich den Nebel zu lieben begann

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Wie ich den Nebel zu lieben begann

2017-10-17T18:12:48+00:00 Oktober 17th, 2017|Pachamama, Spirituell|

Früher konnte ich Nebel nicht ausstehen. Diese ewig grauen Herbst- und Wintertage schlugen auf meine Stimmung. Ich wollte eigentlich nur im Bett sein und traurige Liebeslieder hören. Aber ich erlaubte es mir nicht immer. Man soll ja ein aktiver Mensch sein in dieser Welt. Ich wehrte mich gegen, was der Nebel uns eigentlich mitteilen wollte und trauerte dem Sommersonnenschein hinterher. Obwohl der Nebel und ich beide wussten, dass auch der Frühling und Sommer wiederkommen werden. Durch das Festhalten an Altem, erschwerte ich mir das Akzeptieren.

Da ich erst kürzlich an den Bodensee gezogen bin und der Herbst so richtig Einzug gehalten hat, kommt die Sonne meist erst am Nachmittag zum Vorschein. Vorher ist alles in einer dicken Nebelschicht umhüllt. Meine Begeisterung für den Nebel hielt sich immer noch in Grenzen. Bis ich eines Tages runter an den See lief und nichts sah. Nichts ausser ein paar Wellen, die in der Unendlichkeit des Nebels verschwanden. Da verstand ich die Botschaften des Nebels – und begann sie zu lieben…

Frieden und Ruhe
Die ruhigen Wellen, die mit dem hellen Grau verschmolzen, lösten in mir Ruhe und Frieden aus, die ich so schon lange nicht mehr gespürt hatte. Meine Augen entspannten sich. Nichts, was Aufmerksamkeit auf sich lenken will. Einfach nur Ruhe und Frieden.

Der Herbst und Winter sind Jahreszeiten, wo man sich vermehrt zurückzieht, ins Haus, ins Bett und die Erde uns einlädt, uns zu erholen. Die Sonne scheint weniger lang, damit die Natur sich vom kraftvollen Frühling und dem warmen Sommer erholen kann. Viele Tiere halten einen Winterschlaf. Auch ich merke im Winter, dass ich viel mehr Schlaf brauche, als im Sommer.

Das Problem? Unsere Gesellschaft verlangt, dass wir auch im Winter dieselbe Stundenanzahl arbeiten, egal ob draussen dunkel ist oder nicht. Künstliches Licht erlaubt uns, zu jeder Tages- und Nachtzeit alles zu erledigen, was wir glauben erledigen zu müssen.

Der Nebel hat mich nun gelehrt, diesen Frieden und diese Ruhe anzunehmen. Wenn das heisst, dass ich mehr schlafe und mich gerne zurückziehe, dann erlaube ich mir das auch. Und geniesse es.

Vertrauen
Da ich schon viele Male am See gestanden bin und das andere Ufer sehen konnte, wusste ich, dass die Welt nicht in Unendlichkeit überging, da wo der Nebel das Wasser verschluckte. Wenn ich ein Schiff betreten würde, würde ich irgendwann rund herum nur noch Wasser und Nebel sehen. Bis dann das Land wiederkommen würde.

Wenn ich also mal nicht weiss, wie es weitergeht in meinem Leben, wenn eine dichte Nebelschicht mir die Sicht versperrt, kann ich darauf vertrauen, dass ich einfach einen Schritt nach dem anderen machen kann und irgendwann auf der anderen Seite des Nebels herauslaufen werde.

Im spirituellen Sinne, gibt er mir auch das Vertrauen, dass eine Welt existiert, die ich zwar nicht mit meinen Sinnen wahrnehmen kann, die aber da ist – hinter der Nebelschicht meiner Gedanken.

Meditation
Das Bild von einem See, der vor meinen Füssen anfing und in die Unendlichkeit hinüberging, erinnerte mich auch daran, was man in der Meditation erlernen kann. Die Wellen der Gedanken, die Hoch- und Tiefpunkte des Lebens verschwinden irgendwann, wenn wir lernen, unsere Gedanken zu kontrollieren und pures Sein zu sein. Frieden und Ruhe sind da, wo nichts ist. Und gleichzeitig liegen da alle Antworten auf unsere Fragen. Weg vom Kopf – hin zur Liebe.

Da ich noch am Anfang meiner «Meditations-Karriere» bin, gelingt mir das noch nicht so gut, all meine Gedanken auszublenden. Viele Meditationsanleitungen empfehlen, sich einen blauen Himmel und die Gedanken als kommende und gehende Wolken vorzustellen.

Jetzt im Winter stelle ich mir nun vor, wie meine Gedanken wie die Wellen langsam abflachen, bis sie im Nichts verschwinden. Wenn doch hin und wieder ein Gedanke aufkommt, segelt eine Möwe ins Blickfeld und wieder raus.

Grauzone
Mann-Frau, warm-kalt, weiss-schwarz; es gibt tausende solcher entgegengesetzter Pole. Alles besteht aus Gegensätzen. Während wir gerne alles schwarz auf weiss vor uns sehen, die beiden Extreme miteinander vergleichen, geht schnell vergessen, dass es auch noch eine Grauzone dazwischen gibt.

Der Nebel lässt die Grenzen zwischen Erde und Himmel verschwimmen und zeigt mir, dass es nicht nur richtig und falsch, links und rechts gibt. Sondern auch die «goldene Mitte». Deswegen nehme ich dieses Grau im Alltag und überlege mir, wo ich einen Mittelweg finden kann in meinem Leben.

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