Was ich von der Zweisamkeit, dem Zusammenziehen und Zweifel lernen kann

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Was ich von der Zweisamkeit, dem Zusammenziehen und Zweifel lernen kann

2018-03-27T07:29:09+00:00 März 27th, 2018|Beziehung, Selbstliebe, Spirituell|

Schon seit einer Weile bin ich in einer liebevollen Beziehung, in der ich täglich Neues lernen darf, mich weiterentwickeln kann und der Weg der Zweisamkeit mit meinem Freund Felix erkunde. Doch egal in welcher Beziehung man zu Menschen steht – sei es eine Mutter-Tochter Beziehung, eine freundschaftliche oder eine Liebesbeziehung – so schön es auch ist, Zeit mit geliebten Menschen zu verbringen, so bergen sie auch immer auch Herausforderungen und Aufgaben.

Zeichen deuten

Anfangs lebte mein Freund am Bodensee und ich in der Zentralschweiz. Das ewige Hin- und Herfahren reichte uns irgendwann. Mir reichte es auch, eine Arbeit zu haben, die mich nicht befriedigte. Ich hatte tausend Ideen, die ich mit der Welt teilen wollte, aber keine Zeit dafür.

Eines schönen Sommersonntagabends wartete ich wieder einmal mehr auf den Flixbus, der mich zurück in die Schweiz transportieren sollte – obwohl ich viel lieber bei Felix geblieben wäre. Wir standen da und warteten und warteten. Doch der Flixbus kam immer noch nicht. Während wir am Herumalbern waren, kam mir irgendwann der Blitzgedanke: ‚Irgendetwas ist noch ungeklärt. Sonst hätte der Bus nicht so viel Verspätung‘. Also fragte ich Felix, was er denkt, dass wir noch besprechen sollten.

Es entstand eine Diskussion, bei der wir sofort merkten, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Die Ideen flossen nur so durch unsere Herzen. Wir beschlossen einen Deal: Wir wollten zusammenziehen und das tun, was wir liebten. Da mein Saisonvertrag auf dem Camping auslaufen würde, wollte ich danach zu ihm ziehen und «mein Ding» machen: Bloggen, schreiben, musizieren, teilen, lieben! Wir schüttelten uns die Hände, um den Deal zu besiegeln. Genau in dem Moment fuhr ein Cabrio an uns vorbei. Aus den Musikboxen tönte lauthals das Musicallied «I do it my way»… Minuten später fuhr dann der Flixbus vor und ich fuhr voller Inspiration nach Hause.

Das Zusammenziehen

Vor einem halben Jahr bin ich dann mit Felix zusammengezogen. Ich hatte mich riesig darauf gefreut. Und durch die Vorfreude vielleicht auch vergessen, dass so ein grosser Schritt auch einige Veränderungen mitbringt und eine Herausforderung darstellt.

Kisten wurden gepackt und wieder ausgepackt. Und da kam schon das erste Problem: Wohin kommen denn meine Sachen? Gibt es denn überhaupt Platz für all meinen Kram – sprich für mich? So romantisch, wie wir uns das vorgestellt hatten, die Realität stellte sich etwas anders dar. Obwohl wir es genossen, jeden Abend kuscheln zu können, am Morgen zusammen Yoga zu machen, gemeinsam zu kochen und zu essen, spürten wir beide auch Angst: Während ich in meinem neuen Zuhause meine Kisten auspackte und mich eingeengt fühlte, hatte er Angst, dass ich die Wohnung – sprich sein Leben – auf den Kopf stellen würde.

Also setzten wir uns zusammen hin und sprachen darüber. Wir fanden Lösungen, wie wir unsere neue Wohnsituation gestalten konnten. Wir gingen zusammen all unser Hab und Gut durch und verschenkten, was wir doppelt hatten oder nicht mehr gebrauchten. Stück für Stück führten wir unsere Sachen zusammen, damit wir nicht nur ein MEINS und DEINS, sondern auch ein UNSER hatten. Ein GEMEINSAM, ein Zuhause und nicht eine Wohnung belebt von zwei Menschen. Dies ging aber nur, indem wir offen miteinander kommunizierten, uns bewusst wurden, was unsere Bedürfnisse waren und gemeinsam eine Lösung suchten (dazu weiter unten mehr).

Hinterfragen ist okay

Als dann meine Sachen ihren Platz eingenommen hatten, gewöhnte ich mich langsam an mein neues Leben. Und dann kam er: Der erste Streit. Plötzlich realisierte ich, dass meine schöne Vision vom Zusammenleben auch ihre Nachteile hatte. Seifenblase geplatzt.

Und dann kamen die Zweifel: Was wenn wir doch nicht füreinander bestimmt sind? Was wenn ich ihn irgendwann nicht mehr liebe? Was wenn er mich irgendwann nicht mehr liebt?

Wie immer ist das mit der Angst so eine Sache. Je mehr Kraft man ihr gibt, desto stärker wird sie. Je mehr man darüber nachdenkt, desto verzweifelter ist man, respektive frau. Verdrängung funktioniert aber auch nicht. Also fasste ich meinen Mut zusammen und sprach mit Felix über meine Ängste – die übrigens nicht neu waren. Ich hatte bisher in jeder Beziehung freakouts, wenn ich wiedermal zu sehr ins Wir anstatt im Ich bin.

Glück kommt nicht von der Liebe meines Partners, sondern von Selbstliebe

Im Gegensatz zu meinen früheren Beziehungen, hatte ich jetzt aber ein paar Tools in meiner Hand, um mit Zweifel und Ängsten klarzukommen: Offene Kommunikation, Selbstliebe und Bewusstsein. Plötzlich merkte ich nämlich, was mein Hinterfragen in jeder Beziehung auslöste. Es war nicht der Partner.

Ich war die Ursache!

Ich verstrickte mich zu sehr im WIR, dass ich mich selbst total dabei vergass, dass ich nicht mehr auf meine Bedürfnisse einging und erwartete, dass mein Partner mir die Liebe gibt, die ich brauchte, um glücklich sein. Das funktioniert nicht, das hab ich aus eigenen Erfahrungen schon oft genug gelernt.

Ich darf lernen, mich selber zu lieben, auch wenn ich in einer Beziehung bin. Denn das Hinterfragen der Beziehung entsteht (bei mir) dadurch, dass ich eben nicht die Liebe bekomme, die ich erwarte – weil ich sie mir ja selber geben müsste. Gleichzeitig entsteht dann der Druck, dass ich ihm die Liebe nicht geben kann, die er verdient. Wie auch, wenn ich mich nicht selber lieben kann. Das führt dazu, dass ich Angst bekomme, irgendwann Schluss machen zu müssen und ihn zu verletzen. Früher kamen dann die Gedanken „Was ist falsch mit dir – du hast ein Mann an deiner Seite, der alles für dich tut, und bist nicht zufrieden, willst ihn nicht, hast Zweifel….“. Diese Gedanken führen natürlich auch nicht gerade zu mehr Selbstliebe…

Dank Don Miguel Ruiz und vielen weiteren Autoren und Spiritpeople habe ich gelernt, dass ich nur glücklich sein kann, wenn ich mich selber liebe. Also versuche ich, wieder mehr auf mich zu hören. Denn auch wenn Felix ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben ist, sollte immernoch ich an erster Stelle stehen. Was brauche ich? Was erfüllt mich? Was kann ich tun, um mich selber mehr zu lieben?

Offene Kommunikation

Mit dem oben genannten Wissen, bringe ich meinen Puls schon mal wieder herunter – keine Panikattacke. Was mir auch extrem geholfen hat, ist über meine Probleme reden zu dürfen. Früher hatte ich ständig das Gefühl, dass ich das mit mir alleine ausmachen muss. Dass ich nicht darüber reden kann – schon gar nicht mit ihm. Es war mein dunkles Geheimnis, ein Schattenanteil, den ich verstecken wollte, damit ja niemand auf die Idee kam, dass ich doch nicht so ein nettes, tolles Mädel war, wie sie dachten.

Das steigerte den Druck enorm. Ich hatte das Gefühl, mit etwas fertig werden zu müssen, was eben nicht nur mich betrifft. Meine Maltherapeutin half mir damals, wieder zu mir zu finden und schlussendlich eine Entscheidung zu treffen.

Heute weiss ich, dass ich einfach mit Felix darüber reden kann. Ich kann ihm, was ich oben geschrieben habe, einfach erzählen, teilen. Und damit nehme ich den Druck weg, dass alles Rosarotebrille ist, dass es mir perfekt geht. Denn das tut es manchmal nicht. Und ich kann dann lernen, auch diese Seiten zu akzeptieren. Und damit bin ich schon wieder einen Schritt näher bei mir. Bei der Liebe.

Schliesslich ist Hinterfragen nichts Schlechtes, im Gegenteil: Es zeigt auf, ob die momentane Situation noch passend für sich selber ist. Im Falle einer Abhängigkeit von der Liebe des Partners, ist es gut, diese Situation zu hinterfragen. Das bedeutet aber nicht, dass man den Partner nicht mehr liebt oder dass die Beziehung enden muss. Es bedeutet nur, dass man sich wieder anders ausrichten und sich selber mehr lieben kann.

Und genau das tue ich in diesem Moment, in dem ich mir erlaube, diese Gedanken niederzuschreiben und mit Dir zu teilen.

One Comment

  1. Rita Danuser-Bürgler 12. April 2018 at 8:13 pm - Reply

    Liebi Michelle… das hesch Du sehr schön gschribe und wie WAHR isch das wo Du da schriebsch… Sälbschtliebi isch sAllerwichtigschte… danke für Dini Wünsch für mini Arbet mit de Tierli… liebs Grüessli Rota

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