Warum heute nicht mal barfuss oder mit Barfussschuhen gehen?

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Warum heute nicht mal barfuss oder mit Barfussschuhen gehen?

2018-06-06T06:26:47+00:00Juni 6th, 2018|Gesund, Nachhaltig|

Schon als Kind lief ich am liebsten barfuss durch die Wiesen. Das hat sich bis jetzt nicht geändert. Barfuss gehen ist nachgewiesen gesund, fördert die Durchblutung und macht es fast unmöglich, umzuknicken. Doch was tut man an nicht so barfussfreundlichen Zonen wie Bahnhöfen, öffentlichen Klos, Städte wo Scherben herumliegen könnten? Barfussschuhe sind die Antwort.

Barfuss – ein neuer, alter Trend

Wir werden mit Füssen aber ohne Schuhe geboren. Deswegen hat sich der  Mensch lange Zeit auch auf den eigenen Sohlen fortbewegt. Die ältesten konkreten Funde von Schuhe stammen aus Nordamerika, wo diese vor rund 8300 v. d. Z. zum Schutz vor Verletzungen oder bei extremer Kälte getragen wurden. Auch in der Antike wurden einfache Schuhe getragen, um sich vor dem schmutzigen Untergrund zu schützen. Dies war allerdings meist ein Privileg der Herrschenden.

So entwickelte sich der Schuh langsam zum Statussymbol und dann zur Selbstverständlichkeit. Doch auch noch im 20. Jahrhundert liefen in Europa vielerorts Kinder aus Armut ohne Schuhe herum.

Heutzutage gibt es alle möglichen (und unmöglichen) Modelle, wo bei vielen Schuhen nicht die Gesundheit unserer Füsse, sondern ein tolles Aussehen im Vordergrund steht. Kein Wunder, hat sich unterdessen sogar wieder ein Gegentrend zu engen, hochhackigen und schicken Schuhen eingestellt: Man trifft auf immer mehr barfüssige Menschen und solche, die in Barfussschuhen die Welt entdecken. Warum?

5 Gründe, die Schuhe heute zuhause zu lassen

  • Barfussgehen macht Spass

Studien zeigen, dass sich viele Menschen für ihre Füsse schämen, sich nicht um sie kümmern und sie im dunklen, müffeligen Gefängnis ihrer Schuhe lassen, um ja nicht die ganzen Blasen, Hühneraugen und andere Fussleiden präsentieren zu müssen. Dass die Schuhe der Grund für das Leiden sind, wissen bestimmt die meisten Frauen. Trotzdem laufen sie weiter in zu engen, unbequemen und hohen Schuhen. Spass machen tut das wahrscheinlich nicht.

Wann warst du das letzte Mal barfuss draussen? Gras, Sand, Asphalt, Waldboden – es gibt so viel zu erkunden. Bei Kindern sieht man diese Freude noch – sie erkunden ihre Welt mit all ihren Sinnen – auch mit ihren Füssen. Doch das tolle Barfussfeeling vom Strandurlaub kann auch im Alltag integriert werden…

Wie schon oben erwähnt, hat das Barfusslaufen etliche gesundheitliche Vorteile. Unsere Füsse sind mit 26 Knochen, 27 Gelenken, 107 Bändern und 32 Muskeln und Sehnen ausgestattet. Dazu kommen noch unzählige Nervenzellen – kein Wunder, sie tragen ja die nicht ganz unbedeutende Aufgabe, uns im Leben voranzubringen. So haben wir eine natürliche Federung, die unsere Knie, Hüften und den gesamten Rücken schonen – sofern man sie denn benutzt. Denn beim Fersengang (es wird ja immer gelehrt, dass man abrollen soll – mit einem konkaven Fuss?!) nutzen wir diese Federung nicht und der Aufprall wird weiter nach oben geleitet. Im Gegensatz dazu schont der Ballengang (siehe weiter unten) den Körper beim Gehen, Rennen, Joggen, Tanzen, Springen und Hüpfen.

Weiter wird auch das Immunsystem gestärkt – Sebastian Kneipp war beispielsweise ein Barfussverfechter. Barfussgehen hilft  übrigens auch gegen kalte Füsse – denn so werden diese gefordert, durchblutet und genutzt – und somit auch gewärmt.

  • Barfussgehen ist bequem

Keine Blasen mehr, kein mühsames Schuhe schnüren, einfach loslaufen. Barfusslaufen ist bequem. Keine Schuhe, die drücken – freie Haut auf Boden.

  • Barfussgehen lässt dich deine Welt bewusst wahrnehmen

Wer schon einmal über einen Barfusspfad gelaufen ist, weiss wie viel die Füsse fühlen können. Genau wie die Hände, die liebend gerne neue Materialien ertasten und auch sehr gut unterschieden können, ist das bei Füssen nicht anders. Temperaturen, Naturuntergründe, Steine, Nässe, künstliche Bodenbelege – all dies können wir bewusst wahrnehmen und geniessen.

  • Barfussgehen befreit die Füsse

Ich erinnere mich an meine Ausgehzeiten – meine Schuhe hatten Absätze, waren mir zu klein, eng und mir taten die Füsse den ganzen nächsten Tag noch weh. Die Schuhe auszuziehen war eine wahre Wohltat – genau wie die Skischuhe, in der sich die Füsse kaum einen Zentimeter bewegen konnten.

Im Prinzip ist Schuhetragen nicht viel anders, als wenn wir ständig einen Handschutz anhätten. Wenn ich beim Bauen ab und zu meine Stahlkappenschuhe anziehe (beim Hantieren von Balken), fällt mir auf, wie schwer diese Klötze an den Füssen sind. Danach in Barfussschuhe zu schlüpfen oder mit nackten Füssen herumzulaufen, wo ich meinen ganzen Fuss bewegen kann, ist eine Wohltat, die ich so vorher noch nie gemerkt habe.

Der Ballengang / Bewusstes Gehen

Wer über Barfüssigkeit recherchiert, der kommt bald auf den Begriff des Ballengangs. Es ist eine Gangart, die wir Menschen ganz natürlich beim Springen machen in dem wir erst auf dem Ballen und dann auf der Ferse landen (vereinfacht gesagt).

Barfussgänger empfehlen den Ballengang, den man sich wieder angewöhnen muss. Auf Youtube gibt es etliche Videos dazu. Kinder lernen übrigens auch so laufen, wir hätten es also schon mal gekonnt. Genau wie das intuitive Wissen, dass man beim Springen, nie auf der Ferse landet – wie soll der Sprung sonst abgefedert werden? Da ich den Ballengang auch noch am Üben bin, verweise ich lieber auf ballengang.de, wo auch ein Gratiskurs per Email angeboten wird.

Wenn du dir Barfussschuhe kaufst oder beschliesst, von nun an auf den eigenen Sohlen durchs Leben zu gehen, empfiehlt es sich, in kleinen Schritten zu üben – damit meine ich nicht die Schrittdistanz, sondern die Zeit, in der du barfuss läufst. Der ganze Körper hat sich an das Gehen in Schuhen gewöhnt und braucht Zeit für diese Veränderung. Also aufbauend umtrainieren, den Gang üben, bis es sich gut anfühlt und kein Muskelkater mehr kommt.

Kleine Bemerkung  zum Ballengang: Die Barefoot Academy hat eine andere Meinung zu natürlichem Gehen. Sie schreiben, dass der Ballengang für das normale Gehen nicht die natürliche Gangart des Menschen ist, für das Laufen allerdings schon. Was jetzt richtig ist, kann ich nicht abschliessend sagen. Ich werde aber mal den Ballengang üben und schauen, wie es mir damit geht.

Barfussschuhe

Wer nicht (allzu) viele Blicke auf sich und seine nackten Füsse ziehen will – was heutzutage in einer sehr beschuhten Gesellschaft schnell der Fall ist, kann sich auch Barfussschuhe zulegen (barfussgehen hat den weiteren Vorteil das Selbstvertrauen zu stärken). Barfussschuhe schützen den Fuss vor Kälte und Verletzungen durch Scherben, Dornen oder ähnlichem. Unterdessen gibt es auch welche, die fast wie ganz normale Schuhe aussehen. Auch mit Barfussschuhen sollte man einen bewussten Gang üben, da sie nicht „gefedert“ sind, wie die normalen Schuhe mit Absätzen.

Das einfachste Modell von Barfussschuhen sind eine einfache, dünne Sohle und ein Schnürsenkel, mit dem das Ganze am Fuss festgebunden werden kann. Davon gibt es etliche Modelle und Ausführungen, meist aber nicht im normalen Schuhladen. Chala hat mir netterweise ein paar ihrer veganen, nachhaltig und in Deutschland produzierten Sandalen zum Proben zur Verfügung gestellt:

Chala

Da ich vegan lebe, bin ich immer auf der Suche nach natürlichen, möglichst plastikfreien aber auch tierproduktfreien Schuhen und Kleidern. Bei meiner Suche nach Barfusssandalen aus ökologischem Material und möglichst lokaler Herstellung bin ich auf Chala gestossen: Ein kleines Unternehmen aus Freiburg, dass Huaraches Sandalen aus Leder aus der Region oder – zu meiner Entzückung – aus Ananasleder herstellt.

Letzteres ist ein Upcycling Produkt unserer Ananaskonsumation, welches sich super angenehm anfühlt (ich kenn auch Sandalen mit Plastiksohle – sobald Wasser oder Schweiss ins Spiel kommt wird’s unangenehm). Das Ananasgrün wird in einem Verfahren in eine lederartige Substanz gewandelt – eine Entdeckung von Dr. Carmen Hijosa. Sie war schockiert, was die Tierlederproduktion mit der Umwelt und den Tieren anstellt und suchte nach einer nachhaltigen Alternative. Das Ananasleder gibt den Ananasanbauer ein zusätzliches Einkommen und ist laut Produzenten sehr nachhaltig in der Herstellung.

Die Frage, ob jetzt Leder aus Baden-Württemberg oder Ananasleder aus Asien nachhaltiger ist, kann ich nicht so leicht beantworten. Da ich aber hoffe, dass in Zukunft weniger Tiere gegessen und geschlachtet werden, finde ich es durchaus sinnvoll, alternative Materialien, die nicht aus Plastik bestehen, zu nutzen. Gerade, wenn es ebenfalls ein „Abfallprodukt“ ist. Das Ananasleder ist jedenfalls ebenfalls sehr robust, weich und leicht zu verarbeiten.

Inspiriert wurden die Hersteller der Chalas (spanisch für Sandale aus Leder) von den Tarahumara – einem Indianer Stamm aus Mexiko, welche diese Art der Schuhe schon sehr lange verwenden. Der Schuh bestand bei den Tarahumara aus einer Ledersohle und einem Schnürsenkel. So legte dieses Volk Weltrekorde auf – auf der Jagd oder bei Wettläufen rennen sie so über 170 Kilometer ohne Pause zurück. In Highheels wäre das unvorstellbar!

Hergestellt werden die Schuhe in Freiburg, fast alle Zulieferer stammen aus der Region Baden-Württemberg. Sogar einen Flüchtling haben sie eingestellt. Ein soziales und nachhaltiges Unternehmen, von denen es noch viele weitere geben dürfte…

 

Ich war unterdessen 2 Wochen in den Schuhen unterwegs – unter anderem haben sie meine Füsse bei einer 3-stündige Wanderung, mehrere Arbeitseinsätze im Unverpackt-Laden, eine Fahrradtour und ein Stadtfest begleitet. Mein Fazit – eine sehr bequeme Sandale, die in vielen Varianten gebunden werden kann und für etliche Anlässe getragen werden kann.  Ich hatte weder Schmerzen, noch offene Stellen (was ich bei anderen Barfusssandalen auch schon erlebt habe). Meine neuen Lieblingsschuhe für den Sommer! Die Sandalen können auch leicht zusammengerollt und so sehr platzsparend in jede Tasche gepackt werden.

Am allerliebsten erkunde ich Pachamama aber immer noch mit meinen puren Füssen… 😉

 

 

PS: Wie schon erwähnt, wurden mir die Sandalen von Chala zum Test zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank dafür.

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