Vierte Saatgutbörse in Salem

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Vierte Saatgutbörse in Salem

2018-02-26T16:59:00+00:00Februar 26th, 2018|Gärtnern und Permakultur|

Das Saatgut gehört zurück in die Hände der Menschen, erklärte uns Bettina. Nebst zwei lehrreichen Vorträgen über die Saatgutvermehrung, konnte man sich am Wochenende in Salem mit Saatgut für den eigenen Garten bereichern. Eine Initiative, die in der heutigen Zeit nicht nur dringend notwendig, sondern auch sehr gut angekommen ist.

Am Sonntag habe ich mich mit ein paar aktiven Mitglieder des Erde-In-Balance Vereins auf den Weg nach Salem gemacht, um etwas über das wertvolle Saatgut zu lernen. Dort organisierte der Verein Initiative Saatgutbildung eine Saatgutbörse.

Nicolas Dostert begrüsste uns mit einem lehrreichen Vortrag. Schnell merkte ich, dass ich keine Ahnung von Saatgut hatte und schrieb fleissig mit – fleissiger als ich es an der Uni je getan habe.

Samen sind nicht gleich Samen

Nicolas erklärte uns erst einmal den Unterschied von Industriesorten und Land- und Haussorten. Während erstere auf Transportfähigkeit, Lagerfähigkeit und beispielsweise gleiche Erntezeit getrimmt werden, ist dies im eigenen Garten alles nicht nötig. Denn da möchte man lieber durchs ganze Jahr ernten, muss es nicht transportieren und kann es frisch vom Strauch pflücken, wenn die Frucht reif ist. Hier spielen Kriterien wie die genetische Vielfalt, die Anpassungsfähigkeit an das Klima und eine möglichst lange Ernte die Hauptrollen bei der Auslese von Saatgut.

Früher gab es beide Sorten noch im Handel zu kaufen. Heutzutage lohnt es sich aber nicht, Gartensorten zu züchten, da einfach zu wenig Abnehmer da sind und es (fast etwas) vergessen geraten ist.

Zudem darf man heutzutage nur noch Saatgut verkaufen, dass den Sortenschutz erfüllt, das heisst, wenn es beständig, homogen ist und gleich aussieht. Genau das will man ja bei den Gartensorten nicht, damit sie sich optimal an die äusseren Faktoren auf dem eigenen Gelände anpassen können.

Methoden der Pflanzenzüchtung

Bevor ich noch zu weiteren Vorteilen der Gartensorten komme, hier noch ein paar Pflanzenzüchtungsmethode und wie sich diese entwickelt haben.

Auslese

Früher waren die Bauer auch die Züchter. Sie suchten sich die gesündesten, leckersten und grössten Früchte aus und nahmen davon die Samen für das nächste Jahr. So wurden nur die Pflanzen mit den gewünschten Merkmalen vermehrt. Saatgut war frei verfügbar und nicht geschützt.

Kreuzzüchtung

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird Saatgut in Grossbetrieben „verbessert“. Im selben Jahrhundert wurde auch die Kreuzzüchtung praktiziert, um aus zwei Sorten die besten Merkmale beider zu bekommen. Dies passiert auch in der Natur.

Mutationszüchtung

Hier werden Chemikalien, Strahlung und Temperaturshocks angewendet um herauszufinden, welche Arten besonders resistent sind und was es mit dem Samengut macht.

Hybridzüchtung

In der Hybridzüchtung wird eine Inzuchtlinie gemacht, wodurch sogenannte Heterosiseffekte vorkommen können. Dies kann sich zum Beispiel in einer Zunahme der Grösse äussern. Allerdings ist das Saatgut ist nur einmalig stärker.

Gentechnik

In den 1990er Jahren kam die Gentechnologie auf, welche die Gene der Pflanzen so kombinierte, dass sie möglichst resistent, gross und gleich waren. Dabei werden neue Zusammensetzungen in der DNA der Pflanze gemacht, in dem auch artenfremde Gene eingefügt werden.

Cysgenetik

Bei diesem Zuchtverfahren werden Gene aus derselben oder einer verwandten Pflanzenart in die Zielpflanze eingefügt. Was die Wissenschaft in einem komplizierten Prozess macht, kann auch mit Kreuzungen gemacht werden, allerdings geht dies meist viel länger.

Momentan wird darüber diskutiert, ob dieses Verfahren als Gentechnik gilt oder nicht. Wenn nicht, dürften die Produkte ohne eine Kennzeichnung auf dem Markt erscheinen…

Auch wenn viele dieser Verfahren auch bei mir einige Skepsis ausgelöst haben, darf man nicht vergessen, dass sie ebenfalls einen Grossteil der Ertragssteigerung und Qualitätsverbesserung beigetragen haben. Dies ist nicht nur den Maschinen und Chemie zuzuschreiben.

Vorteile von Gartensorten und Kleinanbauprojekten

Wie oben genannt, haben Gartensorten einige Vorteile gegenüber der Industriesaat. Dazu gehört auch, dass sich die Pflanzen über Generationen ans Klima und die Umgebung anpassen. Wer die schönsten und gesündesten Pflanzen vermehrt, der wird auch weitere gesunde und schöne Pflanzen hervorbringen.

Ein weitere Punkt ist die Schädlingskoevolution: Während Industriesorten alle gleich sind, werden auch alle von Schädlingen angegriffen und vernichtet. Dies kann ein riesiger Ernteausfall zur Folge haben. Mit der genetischen Vielfalt der Pflanzen im Garten werden höchst selten alle befallen, sodass der Ernteausfall vermindert werden kann und die resistenten Pflanzen fürs Folgejahr nachgenommen werden können.

Ein riesiges Plus ist auch, dass deswegen auch keine Chemie zum Einsatz kommen muss.

Es liegt in unserer Macht, wieder vermehrt Kleinbauer und Kleinanbauprojekte zu unterstützen. Denn die Erträge können auch so sehr hoch sein. Zusätzlich wird – gerade wenn mit Permakultur gearbeitet wird – im Einklang mit der Natur gegärtnert und nicht Boden und Menschen ausgebeutet.

Saatgutbörsen und Saatgutbanken im Saatpatent-Zeitalter

Immer mehr Samen werden patentiert und müssen von Bauern Jahr für Jahr wieder gekauft werden. Diese werden somit abhängig von grossen Firmen, wie beispielsweise Monsanto.

Es gehen also nicht nur genetische Vielfalt verloren, sondern unsere Ernährung wird weiter und weiter gesteuert und kontrolliert.

Initiative Saatgutbildung strebt dem entgegen, in dem sie selbst Saatgut anbaut, aufbewahrt und zur freien Verfügung stellt, dass Menschen wieder vermehrt in den eigenen Gärten und auf Balkonen anpflanzen. Die Saatgutbörse lädt ein, um eigenes Saatgut auszutauschen und so weitere Arten in den Garten bringen zu können.

Bettina Weishaupt sagt dazu treffend, dass der Verein das Saatgut wieder zurück in die Hände der Menschen bringen möchte. Eine wichtige und wundervolle Botschaft!

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