Unverpackt Laden Besitzer/innen trafen sich in Nürnberg

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Unverpackt Laden Besitzer/innen trafen sich in Nürnberg

2018-05-15T05:25:40+00:00 Mai 15th, 2018|Zero Waste|

Die HNE Eberswalde hat im April einen weiteren Workshop für und mit den Unverpackt Läden Deutschlands organisiert. Stattgefunden hatte er bei schönstem Wetter in Nürnberg. Auch ich war mit dabei und möchte hier darüber berichten, was die Besitzerinnen und Besitzer dieser relativ neuen Bewegung beschäftigt.

Forschungsprojekt Unverpackt

Die HNEE hat sich zum Ziel gesetzt, die Unverpackt-Laden-Bewegung zu erforschen, begleiten und somit auch zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen die Grenzen, Hürden und Potentiale, als auch die Vernetzungsförderung und die Ausweitung der Bewegung.

Dafür haben sie vor 2 Jahren damit begonnen, Studien und Befragungen zu erstellen. Gleichzeitig organisierten sie auch Workshops für die Unternehmerinnen und Unternehmer.

Ein kunterbunter Austausch

Am 4. Ladner Workshop war auch ich mit dabei und durfte die ganzen Ladenkonzepte und Menschen dahinter besser kennenlernen. Ein kunterbunter, sympathischer und mutiger Haufen! Denn der erste Unverpackt Laden Deutschlands wurde „erst“ 2014 in Kiel eröffnet. Seither folgte einer nach dem anderen. So waren auch einige Teilnehmerinnen noch in den Startlöchern und in der Planungsphase. Maxie möchte beispielsweise einen Unverpackt Laden im Osten Hamburgs eröffnen.

Am Vorabend des Workshops konnte man im Biergarten tolle Bekanntschaften schliessen, während man im T-Shirt bis spätabends sitzen und geniessen konnte. Davor fand eine Führung durch den schicken Unverpackt Laden von Thomas und Arthur statt – dem Zero Hero.

Forschung und Vernetzung

Am nächsten Tag präsentierten dann Frederic, Melanie und Alexandra von der HNEE die Forschungsergebnisse. Unter anderem wurden verschiedene Kundentypen herauskristallisiert und eine internationale Fallstudie vorgestellt. Denn nicht nur in Deutschland erfreut sich der Zero Waste Trend zunehmender Beliebtheit: In Frankreich gibt es sogar schon einen Kettenladen (day by day), welcher Unverpacktes für Jedermann anbietet. In dem Konzept wird allerdings alles aus Südfrankreich beschafft und ist teilweise auch in konventioneller Qualität.

Unverpackt Kettenläden?

Das Konzept aus Frankreich mit unverpackten Lebensmitteln hat für die eine oder andere Diskussion gesorgt: Einige der Ladner stehen dem eher kritisch gegenüber, denn day by day hat schon 33 Läden in Frankreich eröffnet, die allesamt von einem Grosshändler in Südfrankreich beliefert werden und alle die gleichen – oft auch in konventioneller Qualität – Produkte anbieten. Regional ist das nicht gerade. Da die Preise aber bei diesen Mengen niedriger sind, ist es „Unverpacktes Einkaufen für Jedermann“. Ob es ökologischer ist, konventionelle Ware durch Frankreich zu scheppern und dann unverpackt zu verkaufen, oder ob es da nicht doch sinnvoller ist, Das Kilo Mehl in der Papiertüte bei der regionalen Mühle zu kaufen, sei dahingestellt…

Auf das Thema wird aber ganz sicher aufmerksam gemacht, was auf jeden Fall positiv ist.

Weitere Konzepte aus Europa sind aus einer Genossenschaft entstanden, andere machen teilweise auch Hauslieferungen. Es ist sich also einiges am tun – juhui!

Hürden und Grenzen von Unverpackt Läden

Im Workshop am Sonntag wurde dann besprochen, wie mehr Menschen für Unverpacktes Einkaufen begeistert werden können, wie mit Diebstahl umzugehen ist, was für Kassensysteme es gibt und welche Grosshändler möglichst nachhaltige oder wenig Verpackung anwenden. Denn gerade dies stellt neben Lebensmittelvorschriften, Transportvorschriften und einigen anderen Hürden eine Herausforderung dar.

Grosshändler und das Problem der Verpackung

Zum Thema Grosshändler und Verpackung kam Jonas von Bananeira vorbei und erklärte uns einiges über die Lebensmittelindustrie. Denn der nachhaltige Grossunternehmer versucht den Unverpackt Läden was Verpackung angeht so gut es geht, entgegen zu kommen.

Er hat uns aber auch die Grenzen und Vorschriften erläutert, die es teilweise ein Ding der Unmöglichkeit macht, die Unverpackt-Idee weiterzuführen. Bananeira hat beispielsweise ein Pfandsystem eingeführt, indem Öle, Balsamico und Co in Pfandeimern aus Plastik verschickt werden können. Die sind nicht aus Faulheit aus Plastik, sondern aus Hygiene- und Preisgründen. Ansonsten würden die Preise in den Unverpackt Läden himmelhochjauchzend enden, was natürlich ebenfalls niemand möchte. Pfandeimer tönen erstmal super, die Produktion muss kaum angepasst werden und die Eimer können gespült und wiederverwendet werden. Allerdings müssen sie auf Paletten geliefert werden, die laut Speditionsvorschriften entweder in Gitterkäfig, Palettenrahmen oder Stretch Folie geliefert werden müssen. Die 80kg Gitterkäfige bedeuten nicht nur ein Lager- und Hantierbarkeitsproblem, sondern auch höhere CO2 Werte beim Transport, während die Folie natürlich ebenfalls wieder recycelt werden muss. Alles nicht so einfach.

Sobald ein Unternehmen mit der IFS Zertifizierung besiegelt ist, kooperieren sie laut Jonas gar nicht mehr in Richtung unverpackt. Denn nur so können Sie Rewe, Edeka und Co beliefern.

Bananeira geht sogar so weit, dass sie den Läden anbietet, eigene Produkte in ihren Anlagen abzufüllen und hat sogar schon mit Bekannten Kosmetik- und Ölspender aus Holz designet.

Unverpackt Bewegung in Deutschland steigt

Immer mehr Menschen haben genug vom Verpackungswahnsinn und engagieren sich in irgendeiner Form für eine nachhaltigere Welt. Vorne mit dabei sind die Unverpackt Laden Besitzerinnen und Besitzer. Zero Waste Blogs spriessen genauso aus dem Internet, wie die Unverpackt Läden aus den Städten – auch die Medien finden einen Gefallen am Thema und berichten immer häufiger darüber.

Ich sage nur – Danke an alle engagierten Ladenbesitzerinnen, Verkäufer, Auffüller, die es ermöglichen, den Plastik- und Verpackungswahn den Kampf anzusagen. Es ist inspirierend, wie die Workshopteilnehmenden oft nicht nur ihre Arbeits- sondern auch ihre Freizeit für einen grüneren Planeten einsetzten.

 

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