Tiny House selber bauen – wie ist es wirklich?

////Tiny House selber bauen – wie ist es wirklich?

Tiny House selber bauen – wie ist es wirklich?

2018-10-09T05:57:26+00:00Oktober 9th, 2018|Bauen, Tiny House Living|

Hand auf’s Herz, macht es wirklich immer Spass, sein eigenes Haus, sei dies auch in Miniformat, zu bauen? In einigen Berichten habe ich schon geschrieben, wie toll, wie bereichernd es ist, mit den eigenen zwei Händen einen Traum ins Leben zu bringen. Doch manchmal ist es auch mühsam, anstrengend und ermüdend. Und darüber werde ich heute berichten, denn ich glaube, egal welchen Traum verwirklichen will, es ist nie nur Zuckerschlecken (wovon ich ja abrate ;)).

Wochenende verplant

Fast jedes Wochenende seit Mai sind wir auf der Baustelle. Urlaub hatten wir dieses Jahr keinen – besser gesagt, wir haben ihn auf der Baustelle verbracht. Im Sommer hiess es unter der Woche es um sechs aufstehen (spätestens), kurz auf die Baustelle, bevor es zu heiss wird, dann ging Felix arbeiten und ich ging meinem Bloggerlife nach. Natürlich nicht jeden Tag, aber die Stunden, die wir da oben verbracht haben, sind schon jetzt unzählbar.

Was ich sagen will, wir haben kaum mehr Zeit für irgendetwas anderes. Anfangs des Jahres haben wir uns gesagt, dass unser Tiny House Projekt Priorität Nummer 1 bekommt. Irgendwie hatte ich mir das aber trotzdem nicht so intensiv vorgestellt.

Work-Life-Balance

So ist es nicht überraschend, dass anderes zu kurz kommt. Weniger lesen, weniger im Wald sein, weniger oder besser gesagt gar nicht campen. Gestern haben wir seit einer Ewigkeit wiedermal zusammen gejammt. All diese tollen Dinge, die das Leben so lebenswert machen, haben plötzlich viel weniger Platz (natürlich nur übergangsweise, das Tiny House soll uns ja eben ermöglichen, wieder mehr Zeit zu haben).

Den Partner kennenlernen

Immer wieder bekommen wir erstaunte Blicke zugeworfen, wenn Leute erfahren, dass wir gerade mal nach nem halben Jahr, in dem Felix und ich zusammen waren, entschieden ein Tiny House zu bauen. Den Trailer hatten wir dann nach einem Jahr Beziehung gekauft. Das war Januar 2018. Nun sind wir seit über 4 Monaten am Bauen.

Obwohl ich mir gar nie Gedanken darüber gemacht habe, dass es vielleicht etwas früh ist, nach der kurzen Zeit ein Haus zusammenzubauen, hatte ich ab und zu Zweifel, oder hinterfragte das Ganze. Was, wenn es uns nicht gefällt zu zweit darin zu wohnen?

Felix und ich führen eine, meiner Meinung nach, sehr bewusste Beziehung. Deshalb habe ich ihn auch schon davor mal wütend gesehen. Trotzdem hat uns das Bauen nochmals weiter zusammengeschweisst. Und uns auch mit vielen Themen, wie beispeilsweise dem „ich-mach-alles-falsch“, „ich-kann-das-nicht-so-genau-wie-du“ oder „ich-hab-keine-Geduld-dafür“. Dies hat Vor- und Nachteile. Man hat natürlich die Chance, diese Prozesse bewusst zu durchleben, darüber zu reden und zu sehen, warum ich denn das Gefühl habe, nichts zu können. Das braucht aber auch Zeit und Energie. Beides ist während des Bauens eher knapp (zumindest nach einem langen Tag der Arbeit).

Letztendlich ist es wie ein Test. Genau wie das Zusammenziehen, das gemeinsame Reisen. Wer den Hausbau als Paar gut übersteht, hat wohl eine weitere Hürde überwunden… J

Der Weg ist das Ziel

Hach ja, das klingt immer so schön. Ganz einfach fällt es mir aber nicht, das anzuwenden. Mir kommt bloss immer wieder die Szene in Dan Millman‘s Film „Der Pfad des friedvollen Kriegers“  in den Sinn: Dan besteigt mit seinem spirituellen Lehrer Sokrates einen Berg, weil ihm Sokrates etwas ganz Tolles zeigen wollte, was oben auf dem Berg ist. Die Wanderung ist wundervoll und Dan freut sich, doch als sie oben angekommen sind, präsentiert Sokrates Dan einen simplen Stein. Dan rastet aus und fragt, was das soll. Doch dann versteht er, was Sokrates ihm erklären will: Es ist der Weg, der uns glücklich macht, nicht das Ziel.  Es lohnt sich also das zu tun, was wir lieben.

Dann fällt mir wieder ein, wie schön es ist, die Fassade anzubringen und zu sehen, wie das Schwarz der Folie langsam verschwindet. Ab und zu wieder einen Schritt zurückzutreten und das Resultat mit einem Lächeln zu betrachten, während wir Harry Potter hören oder die Beatles uns besingen.

Warum es sich trotz allem lohnt

Wie oben schon angetönt, glaube ich, dass jeder Traum etwas Durchhaltevermögen braucht. Schon als Kind wollte ich mal Autorin werden. Das mein erstes Buch ein Rezeptbuch ist, habe ich zwar nicht gedacht, aber es zu erstellen hat mir jede Menge (Gaumen)Freude bereitet. Als ich es dann in gedruckter Version in den Händen hielt, hüpfte ich singend durch das Wohnzimmer.

Vor ein paar Wochen wurden Felix und ich interviewt und hatten das Fernsehen auf der Baustelle. Als wir gefragt wurden, wie es denn wohl sein wird, wenn wir das erste Mal im eigenen Haus schlafen können, wenn es fertig ist, konnte ich gar nicht anders als breit zu grinsen. Mir stiegen fast die Tränen in die Augen, so glücklich war ich. Und das hat mir gezeigt, dass ich trotz Durchhänger, trotz Anstrengung und Herausforderungen auf meinem Weg bin, einen Traum zu erfüllen.

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