Wie bleibt unser Häuschen auch im tiefsten Winter warm? Dank dem Holzofen „tinytube„, einer Infrarotheizung und einem Heizlüfter sollten wir in unserem Tiny House nicht frieren müssen. 

Unser Heizsystem für die „Villa Kuntergrün“

Holzofen

Warum wir uns für einen Holzofen entschieden haben, hat mehrere Gründe: Einerseits bin ich damit aufgewachsen und finde, dass die Wärme eines Holzfeuers eine ganz andere ist, als die einer Ölheizung. Zudem ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, welcher bei uns wächst und deswegen nicht über tausende Kilometer transportiert werden muss. Zudem ist es einfach Lagerbar und setzt nur so viel CO2 aus, wie es beim Wachsen aufgenommen hat.

Natürlich gibt es auch ein paar Nachteile: Erstens muss man den Ofen jeden Tag einheizen, hat also einen erhöhten Aufwand, gegenüber einer Pelletsheizung stösst Stückholz auch mehr Schadstoffe aus. Trotzdem haben wir uns für die Stückholzvariante, dafür für einen „Öko-Ofen“ (weiter unten mehr) entschieden.

Schon vor einem Jahr haben wir uns nach einem passenden „Öfeli“ umgeschaut. Von meinen Eltern, welche ebenfalls mit Holz heizen, kenne ich Öfen, auf denen man auch kochen kann, der eine kann sogar backen. Sowas hatten wir uns in den Kopf gesetzt und mussten dann feststellen, dass dies anscheinend nur Öfen mit grösserer Leistung können.

Durch Fiona’s Artikel sind wir dann aber auf Axel Schmitz von firetube gestossen, welcher mit seinen Söhnen gerade einen Tiny House Ofen mit genau den gewünschten Funktionen am Entwickeln war.  Und so kam es, dass wir uns den Prototypen angeguckt haben und für sehr toll befunden haben!

Infrarotheizung zur Ergänzung

Wir haben unterdessen von einigen Leuten gehört, die schon in Tiny Houses oder Bauwägen gelebt haben, dass es mit einem Holzofen eher zu schnell warm wird und dann wieder rasch abkühlt. Um diesen Extremen entgegenzuwirken haben wir einerseits einen Ofen mit Schamott-steinen gewählt und andererseits eine Infrarotheizung als Ergänzung geplant.

Diese wird uns in der Übergangszeit wärmen, wenn es einfach ein bisschen zu kalt ist, aber um den Ofen anzuschmeissen dann doch noch zu warm. Auch frühmorgens oder nachdem wir beide den ganzen Tag weg waren (und niemand eine Feuer machen konnte), wird die Infrarotheizung uns helfen.

Für welche Infrarotheizung wir uns entschieden haben, wird in einem späteren Beitrag folgen.

Heizlüfter im Bad

Als wir mit dem Ofenbauer Axel Schmitz über unser Heizsystem geredet haben, fand er dieses gut gewählt. Einzig im Bad hat er uns noch einen Tipp gegeben: Anstatt einer Infrarotheizung empfahl er uns einen Heizlüfter.

Dies aus folgendem Grund. Eine Infrarotheizung (Strahlungswärme) funktioniert ähnlich wie die Sonne: Sie bestrahlt Gegenstände, welche dann warm werden und somit die Luft wiederum erwärmen. Gerade im Bad, wo viel feuchte Luft ist, muss aber die Luft und nicht die Möbel warm werden, da sie so mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und dann nach draussen transportieren kann. Ein Heizlüfter wärmt die Luft auf und ist somit optimal (und auch um einiges günstiger). Unser Heizlüfter haben wir von Felix’s Eltern bekommen, die ihn nicht mehr brauchten.

Heizen mit Holz: Welcher Ofen ist der Richtige?

Ich habe schon weiter oben angetönt, welche Kriterien uns wichtig waren bei unserem Ofen.

Fiona von tiny-house-projekt.ch hat einen sehr ausfürlichen Artikel dazu geschrieben, auf welchen ich alle verweise, die weitere Infos brauchen. Sie hat zudem auch einige Öfen verlinkt, welche als Alternative zum Tinytube verwendet werden könnten.

Hier ganz kurz die wichtigsten Punkte, auf welche geachtet werden sollte:

  • Leistung: Kleiner Raum, kleine Leistung. Für ein Tiny House empfiehlt sich ein Ofem mit 2-4 KW
  • Wirkungsgrad: je höher desto besser, denn es geht darum, wie gut das Holz in Wärme umgesetzt wird
  • Grösse: Auch hier gilt, Tiny House, Tiny Ofen, wie soll der sonst reinpassen?
  • Gewicht: Wir haben uns für einen Ofen entschieden, der 100kg wiegt. Dafür wärmt er besser. Zum Transport muss er allerdings wieder aus- und eingebaut werden, was meiner Meinung nach eh sicherer ist, da er ja meist nicht mit dem Boden verschraubt wird.
  • Mindestabstände: Ein Ofen, den man mit 10cm Abstand an die Wand stellen kann, ist praktischer als einer, der 20cm Abstand braucht.
  • Externe Luftzufuhr: Feuer braucht Luft. Da diese im Tiny House durch die Raumgrösse begrenzt ist, empfiehlt es sich einen Ofen mit externer Luftzufuhr zu wählen. Wir haben zudem eine Wärmetauschlüftung eingebaut, welche uns konstant mit Frischluft versorgt, ohne dass wir Wärme durch Lüften verlieren.
  • Legalität“: Ein Ofen aus Kanada hat evt. keine Zulassung für Deutschland oder die Schweiz. Wer also ganz offiziell im Tiny House angemeldet sein will, muss zumindest in Deutschland sein Öfeli sobald der Wagen keine mobile Baute mehr ist, durch einen Bezirksschornsteinfeger abnehmen lassen. Dazu gehört auch eine Wanddurchführung, eine korrekte Abgasanlage etc. Die Verordnungen für Baden Würtemberg findest du hier.
  • Design: Mit oder ohne Fenster, schwarz oder stahlfarben, rund oder eckig – Der Ofen soll natürlich auch schön sein.
  • Funktionen: Heizen, Kochen, Backen, Warmwasser – Öfen können so einiges.
  • Preis: Second hand ist wie immer am günstigsten. Ab 600 Euro findet man dann weiter Modelle…
  • Ökoaspekt: Woher kommt der Ofen? Wo wird er hergestellt? Und was für eine Farbe ist drauf? Optimal ist im Heimatland hergestellt und möglichst ohne schädlichen Farben, welche beim Erhitzen ausdünsten.

Der Tinytube ist da!

Wie schon erwähnt, haben wir uns für den Tinytube von Axel und seinen Söhnen entschieden. Letzte Woche kam Jim dann vorbei und brachte uns das Prachtstück (normalerweise im Selbstbauset erhältlich). Anhand den Punkten von oben aufgelistet, hat der Ofen alle uns wichtigen Punkten erfüllt:

  • Leistung: Mit 4.5KW ist er eher an der oberen Grenze, aber immer noch ok
  • Wirkungsgrad: 83 %
  • Grösse: 42x42x92. Es gäbe auch kleinere Öfen, aber da wir ihn als Backofen und als Kochplatte im Winter verwenden können, passt er perfekt rein
  • Gewicht: Mit etwas über 100kg ist er schwer – dafür heizt er besser und länger. Wie schon erwähnt, wollen wir nicht oft umziehen und bauen den Ofen sowieso lieber aus auf der Fahrt (der Sicherheit wegen).
  • Mindestabstände. Mit nur 10cm seitlich und hinten zu brennbaren Gegenstände passt der Ofen in jedes Tiny House.
    Aber Achtung: Vor den Ofen gehört ein min. 50cm Sicherheitsblech, seitlich sind es 30cm. Diese Vorschrift kommt aber nicht vom Ofenbauer sondern von Verordnungen des jeweiligen Bundeslandes
  • Legalität: Der Ofen ist zugelassen in der EU
  • Design: Mit den Rundungen find ich persönlich den Ofen echt ein Hingucker
  • Funktionen: Backen, Grillen, Kochen – was will man mehr
  • Ökoaspekt: Der Tinytube wird in Deutschland hergestellt und wird als Bausatz ausgeliefert. Er wird aus ökologischen Gründen nicht gespritzt und wird entweder sandgestrahlt oder darf verrosten.

Über den Einbau und das erste Einheizen wird ein weiterer Bericht folgen…