Sustainable Sex? (Natürliche) Verhütungsmethoden

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Sustainable Sex? (Natürliche) Verhütungsmethoden

2018-04-05T10:47:01+00:00 April 5th, 2018|Gesund, Nachhaltig, Zero Waste|

Achtung: Blümchen und Bienentalk! Schon mal überlegt, was den Hormone, Kondome und Co so mit uns und der Umwelt machen? Hier ein Guide, wie es im Bett auch natürlicher, ja sogar ohne Müll und Hormone geht.

Also prüfen wir die verschiedenen Verhütungsmethoden mal auf Gesundheit und Umweltauswirkungen. Es gibt einerseits die hormonale Verhütung (Pille, Spirale,…), die Barrieremethode (Kondom, Diaphramga,…) und die natürliche Verhütung (NFP, Themperatur, Coitus Interruptus). Hier ein kleiner Überblick:

Die Pille

Meine Erfahrung

Als ich mit fünfzehn meine Mum fragte, ob ich die Pille nehmen kann, da ich seit ein paar Monaten in einer Beziehung war, wusste sie wahrscheinlich besser als ich, dass ich noch mitten in meinen Teenager-Jahren war und fern davon eine verantwortungsbewusste, erwachsene Frau zu sein. Da sie aber auch nicht in den Vierzigerjahren Oma werden wollte, konnte ich sie überreden. Schliesslich ist das doch normal, das junge Mädchen die Pille nehmen.

Natürliche Verhütungsmittel wurden bei mir im Aufklärungsunterricht ausschliesslich belächelt, ja als total unzuverlässig dargestellt. Auch die Frauenärztin sagte kein Wort von Körperkennenlernen und natürlicher Familienplanung.

Bis ich 18 war, schluckte ich also täglich diese kleine Hormonpille. Dann bekam ich mehrere Monate keine Periode (was mich ja nicht verwundert im Nachhinein). Da ich aber eine regelmässige Periode und ungeschützten Sex haben wollte, nahm ich sie danach wieder weiter. Bis mir dann die Packung mit 21 ausging und ich beschloss – ohne Beziehung – sie nicht weiter zu nehmen.

Gesundheit

Die Pille ist zwar relativ sicher (Pearl Index 0.1-0.9, d.h. 1 bis 9 Frauen von 1000 werden trotz der Pille schwanger), aber auch nur dann, wenn sie regelmässig eingenommen wird. Durchfall, Grippe, Erbrechen, unregelmässige Einnahme oder Vergessen lassen den Index steigen. Die Hormone sind zudem viel höher dosiert, da diese erst durch den Magen gehen, bevor sie ins Blut gelangen. Diese hormonsteuernden Tabletten sind alles andere als gut für den weiblichen Körper und die Umwelt. Schon 1994 war es bekannt, dass die Pille etliche Tiere und uns selbst negativ beeinflusst und Medikamente sogar schon in unserem Trinkwasser vorkommen!

Umwelt

Auch von einer Zero Waste Perspektive macht es überhaupt keinen Sinn: Die Tabletten sind einzeln verpackt und somit fallen pro Monat ein Restmüllstück an. Es ist natürlich auch alles andere als Zero Waste, wenn die Hormone dann von der Leber über den Urin wieder ins Wasser gelangen.

Die Hormonspirale

Meine Erfahrung

Meine hormonfreien Monate nach der Pille waren gezählt, denn ich plante eine Weltreise, wo ich wohl den einen oder anderen Mann kennenlernen würde… und mir Kondom alleine zu unsicher war. Also liess ich mich von meiner Frauenärztin beraten. Sie empfahl mir die hormonelle Minispirale. Nach dem sie das erste Mal herausfiel (ebenfalls ein Zeichen, dass ich wahrnehmen hätte können), hielt sie beim zweiten Mal fast zwei Jahre durch. Ich hatte nur anfangs meine Periode und danach (ja, ich weiss, ich bin selbst schockiert!!) nicht mehr, bis ich sie mir rausziehen liess. Zwischendurch hatte ich leichte Schmierblutungen, das war alles. Ja, das war entspannend und gerade auf Reisen sehr praktisch. Aber: Ich bin eine Frau, kein Mädchen! Erst jetzt wird mir bewusst, wie gestört mein Körper durch diese Hormone war.

Ich hatte zwar weder offensichtliche Nebenwirkungen noch Beschwerden, aber schon als ich sie mir einlegen liess, schwor ich mir sie entfernen zu lassen, wenn ich in einer festen, vertrauenswürdigen Beziehung war.

2016 lernte ich Felix kennen, und zog vor ein paar Monaten mit ihm zusammen. In der ersten Woche bekam ich meine Periode, seit über einem Jahr! Also ging ich zum Gynäkologen und liess sie mir ziehen, obwohl ich sie ein weiteres Jahr drin lassen hätte können. Wie weiter?

Gesundheit

Auch wenn man sich vielleicht freut, nicht jeden Monat mit Bauchkrämpfen im Bett zu liegen, ist es nicht natürlich so lange keine Menstruation zu bekommen. Dem Körper wird wie bei der Pille  ständig vorgetäuscht, schwanger zu sein. Zudem wird das Risiko erhöht, eine Zyste zu bekommen.

Umwelt

Der Müll bei der Spirale ist relativ gering. Denn die Spirale ist sehr klein und muss alle 3-5 Jahre ausgewechselt werden. Aber auch hier wird die Umwelt durch die Hormonausschüttung belastet.

Kupferspirale

Meine Erfahrung

Ich habe bisher keine Erfahrungen mit der Kupferspirale gemacht, habe aber Gutes und Schlechtes von ihr gehört.

Gesundheit

Die Kupferspirale funktioniert ohne Hormone. Das heisst aber nicht, dass sie unseren Hormonhaushalt nicht beeinflusst…

Die Nebenwirkungen der Kupferspirale sind nicht zu unterschätzen: Akne, Ängstlichkeit, Infektionen, Diabetes, Leberunterfunktion,  Eierstock Dysfunktionen und Zysten sind nur einige der möglichen Probleme, die das Verhütungsmittel mit sich bringen kann. Zudem kann die Monatsblutung sich verstärken, weshalb sie Frauen mit starker Periode nicht empfohlen wird.

Umwelt

Wie bei der Hormonspirale verursacht auch die Kupferspirale nicht viel Müll und hat eine lange Lebensdauer.

Kondome

Meine Erfahrung

Kondome schützen nicht nur vor ungewollten Schwangerschaften, sondern auch vor Krankheiten. Trotzdem ist es nicht meine Lieblingsverhütungsmethode. Ich hab auch einige Bekanntschaften gemacht, wo der Herr kein Kondom benutzen wollte und einfach annahm, dass ich hormonell verhüten würde. Nop, so nicht mein Lieber! Verhütung ist nicht die Sache der Frau, sondern geht beide genau gleich viel an.

Gesundheit

Auch wenn es mit Kondom weniger Spass machen mag, Geschlechtskrankheiten sind weit verbreitet und sollten ernst genommen werden. Auch wenn ich für Love&Peace&Happiness bin, möchte ich trotzdem sicher sein, dass ich auch nach der Verbindung zu einem Partner noch gesund bin.

Wer keinen festen Partner hat, dem er auch vertrauen kann (und eine alternative Verhütungsmethode anwendet), dem empfehle ich trotz dem Müll ein Kondom zu nehmen! Ein Kind produziert auch viel Müll und wer keines will, sollte sich auch damit auseinandersetzen.

Achte dabei auf die Inhaltststoffe, denn auch da gibt es einiges, was nicht unbedingt günstig für unsere Körper ist…

Umwelt

Ja, Kondome machen viel Abfall und bestehen meist aus nicht sehr nachhaltigen Materialien. Es gibt aber unterdessen Alternativen aus Naturkautschuk, die auch noch vegan sind. Beispielsweise die Einhorn-Kondome.

Verzichte nur auf ein Kondom, wenn du deinem Partner vertrauen kannst und ihr eine andere Verhütungsmethode praktiziert – es sei denn ihr wollt ein Kind 😉

Diaphragma

Meine Erfahrung

Das Caya Diaphragma passt den meisten Frauen und muss von einer Frauenärztin nur auf den Sitz überprüft werden. Dies dauert 30 Sekunden. Der Vorteil ist, dass man das Caya auch schon vor dem Sex einführen kann und auf das Gefummel kurz davor verzichten kann.
Wir haben uns für eine Kombi aus NFP und Caya entschieden. In den fruchtbaren Tagen kann so mit Barrieremethode verhütet werden, während wir ansonsten gar nichts „tun“ müssen.

Gesundheit

Das Caya besteht aus medizinischem Silikon und einem Polymer Federring, welches den meisten Frauen grössenmässig passt. Es wird mit einem Spermizid aus Milchsäure, Natriumlactat, Zellulose, Sorbinsäure und Wasser bestrichen. Obwohl ich natürlich auch diese Dinge lieber nicht in mir hätte, sind sie deutlich besser als beispielsweise Nonoxynol-9 haltige-Produkte und haben ein viel geringeres Nebenwirkungspotential.

Umwelt

Das Caya selbst kann mehrere Jahre verwendet werden, während das Gel jedesmal frisch aufgetragen werden muss. Die Verpackung der Creme fällt also an. Trotzdem immer noch viel weniger Abfall als ein Kondom.

Natürlich verhüten – aber wie?

Nein, natürliche Verhütungsmittel sind nicht nur was für Hippies – sie sind für (fast) alle Frauen geeignet, die sich dazu bereiterklären, ihren Körper besser kennenzulernen und dafür nicht hormongesteuert sein müssen. Pille, Kondome und Co enthalten nicht nur für unsere Körper viele Stoffe, die uns wahrscheinlich nicht gerade gut tun, sondern auch für die Umwelt.

Zwei meiner Kolleginnen verhüteten schon länger natürlich – erfolgreich! Also konsultierte ich sie und fand eine sehr aufschlussreiche Webseite: wearetheladies.de. Endlich stellte sich heraus, dass das alles gar nicht so ne grosse Hexerei und sogar eine sehr sichere Verhütungsmethode ist. Seither messe ich morgens meine Temperatur und beobachte meinen Cervixschleim. Beides trage ich in eine App und auf Papier ein und kann so meinen Eisprung bestimmen.

Maggie fasst dies folgendermassen zusammen:

«Natürlich zu verhüten bedeutet, die Fruchtbarkeit anhand von Körpersymptomen zu erkennen und auszuschließen. Dies funktioniert am besten mit Hilfe der symptothermalen Methode, die wiederum eine angewandte Methode der sogenannten natürlichen Familienplanung, kurz NFP, ist.» – wearetheladies.de

Ja, ihr könnt auch alles bei ihr lesen. Ich hab mir trotzdem die Mühe gemacht, das alles Mal zusammenzufassen, um eine Übersicht zu bekommen.

Natürliche Familienplanung (NFP)

Im Gegensatz zur Pille ist die NFP 100% natürlich und hormonfrei und hat einen Pearl-Index von 0.4-0.6. Die Pille liegt im Vergleich bei 0.3-0.8. Bei beiden Mittel ist die Regelmässigkeit und Zuverlässigkeit der Frau Voraussetzung.

Die NFP umfasst zwei symptothermale Messungen, womit zusammen der Eisprung beobachtet und so die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage herausgefunden werden. Die ersten drei Monate solltest du einfach die Methoden anwenden und zusätzlich mit Barrieremethoden verhüten, bis du deinen Zyklus und Körper besser kennst.

  1. Temperaturmethode

Dazu brauchst du ein zweistelliges Thermometer und ein Datenblatt (ich hab dir hier eins zusammengestellt). Damit misst du jeden Tag ab deinem 1. Zyklustag (= 1. Tag der Periode) deine Körpertemperatur entweder anal, vaginal oder oral. Dies tust du gleich, nachdem du aufgewacht bist (ohne vorher aufgestanden zu sein –  auch nicht aufs Klo) und am besten immer zur ungefähr gleichen Zeit für drei Minuten. Ich trage meine Werte in Ovuview und manuell aufs Datenblatt ein.

Nach deinem Eisprung steigt die Temperatur für mindestens 3 Tage um 0.2-0.5 Grad. Das bedeutet, dass die Eizelle nicht mehr fruchtbar ist. In der NFP werden aber mehrere Methoden zusammen angewendet, sodass zum Beispiel erhöhte Temperatur wegen einer Erkältung nicht deinen Eisprung «vortäuschen» kann. Diese werden ausgeklammert, das gleiche gilt für andere Störfaktoren wie Alkohol, Medikamente oder zu wenig / zu viel Schlaf.

  1. Zervixschleimmethode

Zervixwas? Zervixschleim ist kein Ausfluss oder Erregungsschleim, sondern ein Sekret, dass eure Gebärmutter verschliesst, damit keine Bakterien eindringen und der sich während deines Zyklus verändert. Wenn es auf die fruchtbare Phase zugeht, wandert der Zervixschleim zum Scheideneingang und wird weisslich, klebrig oder cremig. Um den Eisprung wird er dann flüssiger, klar und spinnbar.

Gut und recht, doch wie messe ich das? Der Zervixschleim fliesst aus unserer Scheide und ist am einfachsten beobachtbar, wenn er am Toilettenpapier «hängenbleibt». Ihr tragt also täglich die beste Schleimqualität in die App und auf das Datenblatt:

  • S+ für dünnflüssigen, glasklaren, spinnbaren Schleim
  • S für dicklichen, weißen, cremigen und klumpigen Schleim
  • f für feucht
  • t für trocken

Wenn du einen Schleimhöhepunkt mit drei folgenden «schlechteren» Schleimqualitäten hast, kannst du nun die beiden Kurven des Zervixschleims und der Temperatur zusammenbringen.

  1. Muttermund

Als Alternative zur Zervixschleimbeobachtung kann auch der Muttermund beobachtet werden. Da ich dies noch nicht angewendet habe, könnt ihr hier mehr davon lesen.

Kurz erklärt wird der Muttermund beobachtet mit folgenden Merkmalen:

  1. Öffnung:
  • geschlossen:  •
  • geöffnet: Ο
  1. Festigkeit:
  • hart: h
  • weich: w

(3. Lage:

  • hoch: Das Öffnungs-Symbol wird im oberen Teil des Kästchens eingetragen
  • tief: Das Öffnungs-Symbol wird im unteren Teil des Kästchens eingetragen)

Um den Eisprung wird der Muttermund weich, öffnet sich und liegt höher. Nach dem Höhepunkt müssen mindestens 3 Tage folgen, wo der Muttermund hart und geschlossen ist, damit die Auswertung abgeschlossen ist und mit der Temperatur verglichen werden kann.

Die Auswertung

Nur die Kombination beider Methoden bietet einen so sichere Verhütungsmethode. Deshalb ist es wichtig, beide in einen zeitlichen Zusammenhang zu bringen.

Wenn beide Messungen abgeschlossen sind, musst du nicht mehr verhüten in diesem Zyklus, bis und mit dem 5. Tag des neuen Zyklus. Falls aber vorher schon Zervixschleim in S oder S+ auftaucht, bist du fruchtbar.

NFP Regeln

Die Eizelle ist zwar nur zirka 12-18 Stunden fruchtbar, aber Spermien können bis zu 5 Tage in deinem Körper überleben. Deswegen gibt es verschiedene zusätzliche Regeln. Falls du mit NFP verhüten möchtest, lies dir den Blog von Magie durch, dann weisst du was zu tun ist. Bei Fragen stehe ich dir natürlich auch gerne zur Verfügung.

Fruchtbar? Barrieremethoden!

Nein, an den fruchtbaren Tagen muss nicht auf Sex verzichtet werden, sondern es können sogenannte Barrieremethoden eingesetzt werden, sprich Kondome oder Diaphragmas. Diese verhindern wie der Name sagt, dass die Spermien zur Eizelle gelangen können.

Zu kompliziert? Verhütungscomputer übernehmen die Arbeit

Es gibt unterdessen auch verschiedene Verhütungscomputer die dir helfen bei der Analyse und beispielsweise mit einer Speichelanalyse die fruchtbaren Tage feststellt. Diese Geräte haben allerdings ihren Preis und arbeiten mit den gleichen Regeln. Es sind aber auch Computer, keine Menschen und von mir aus gesehen, weißt du am besten, wie dein Körper funktioniert.

Unterdessen gibt es auch viele Apps dazu, die dir helfen, deine Zyklen aufzuzeichnen und zu analysieren.

Hier gelangst du zum Datenblatt, damit du deine Ausmessungen ganz einfach eintragen kannst. Bitte doppelseitig ausdrucken für die Umwelt…

 

PS: Es gibt noch die Option auf Vasektomie – was natürlich auch ohne Abfall und Hormone geht. Da ich aber noch die Option auf Kinder haben möchte, ist diese hier nicht ausführlich erwähnt.

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