In unserer komplexen Welt hängt alles irgendwie zusammen: Bauern werden für gewisse Dinge kompensiert, welche Monokulturen fördern, was wiederum den Boden durch den Pestizideinsatz schädigt und so weiter. Oft führt dies zu negativ Spiralen, aus denen viele Betroffene nicht wissen, wie aussteigen.

Gleichzeitig entstehen auch positive Spiralen, in denen durch gemeinschaftliches, nachhaltiges Handeln Böden mit Humus angereichert werden, wodurch mehr CO2 gebunden werden kann, was den Klimawandel verlangsamt und so weiter.

Bevor ich eines dieser positiven Beispiele vorstelle, möchte ich auf die momentane Situation in der Landwirtschaft hinweisen und die Problematik kurz zusammengefasst aufzeigen.

Probleme der heutigen Landwirtschaft

Knapp die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Von der Fläche sind 60% Futtermittel  für die Tierhaltung. Auf weiteren 20 % wird Mais und Raps für Biogas, respektive Biokraftstoffe angebaut. Bleiben noch 20%, die tatsächlich für unsere Nahrung genutzt werden. Das sind ungefähr 3.3 Millionen Hektaren, um ganz Deutschland mit pflanzenbasierten Lebensmittel zu versorgen. Natürlich wir auch vieles importiert: Soja aus Brasilien für Tierfutter, Zucchini aus Spanien und Schokolade aus Westafrika. Lange Transporte und teilweise menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sind folgen davon. Doch egal ob hier oder im Ausland, die Problematik ist sehr ähnlich:

Monokulturen

Wer die Biodiversität eines Waldes mit einer Monokultur vergleicht, merkt schnell, warum Monokulturen sehr instabile Systeme sind. Bis auf ein paar „Unkräuter“ die trotz der Pestizide überlebt haben, stehen Mais, Raps oder andere in Monokultur angebauten Pflanzen  in Reih und Glied unter ihresgleichen. Das bedeutet auch, dass die Pflanzen sich untereinander nicht schützen und unterstützen können, was wiederum heisst, das der Mensch dies in einer Form übernehmen muss, was er häufig mit Pflanzenschutzmittel tut.

Genmanipulation & Düngemittel & Pflanzenschutzmittel

Die Pestizidbelastung bei konventionellem Gemüse ist 100 mal so hoch wie bei Biogemüse. Die Mengen, die zum Spritzen eingesetzt werden, werden zudem erst an Tieren getestet, um herauszufinden, ob die Gifte eine schädliche Wirkung auf die Gesundheit haben können. Obwohl viele Pestizide als „sicher“ eingestuft wurden, gibt es unterdessen etliche Studien, die beweisen, dass Pestizide mit diversen Krankheiten zusammenhängen. Da über 400 solcher Stoffe in Europa zugelassen sind, können die möglichen Kombinationen nicht alle getestet werden, sodass es unklar ist, welche Folgen wir und die Böden davon tragen.

Boden

Aushub von einem Weinberg kann man nicht in Kiesgruben abgeben, sie müssen als Sondermüll entsorgt werden. All die Dünge- und Pflanzenschutzmittel, die im Boden landen, waren vorher auch auf der Pflanze, die uns als Nahrungsmittel oder im Fall von Wein als Genussmittel dient. Wenn der Boden hoch vergiftet ist, frägt sich, warum wir überhaupt noch etwas davon essen wollen. Durch die Vergiftung des Bodens gelangen die Stoffe auch ins Grundwasser, da der Boden die stoffliche Belastung nicht mehr herausfiltern kann.

Doch Belastung durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel ist nicht das einzige Problem, womit der Boden, die Haut der Erde, belastet wird. Die schweren Maschinen verdichten den Boden immer mehr, so dass dieser weniger Luft, Wasser und Nährstoffe in seinen “Poren“ aufnehmen und weiterleiten kann. Dass kann zu Wasserstaus, schwerer Durchwurzelbarkeit und damit zu Ernterückgänge führen.

Des Weiteren gibt es vermehrt Erosionen und Humusabtragungen. Denn offene Erde ist im Gegensatz zu dicht bepflanztem Waldboden viel leichter von Wind und Wasser abgetragen. Im Frühjahr sah ich wie ganze Felder vom Wind weggeblasen werden. Bei starkem Regen kann die Humusschicht in die Flüsse geleitet werden, was weder für den Fluss noch den Boden gut ist. Dies wiederum bedeutet auch, dass der Boden weniger CO2 speichern kann und Pflanzen weniger natürlichen Dünger und lockeren Boden haben.

Tierleid

Wenn Tausende von Hühner, Schweine oder Kühe zusammen gehalten werden, ist es kein Wunder, dass es den Tieren nicht nur während der Schlachtung, sondern auch schon davor alles andere als gut geht. 745 Millionen Tiere werden so jährlich in Massentierhaltung gehalten und dann geschlachtet.

Vielen Tierarten werden Teile ihrer Körper abgetrennt: Hörner, Ringelschwänze, Schnäbel. Sie leben auf einem Bruchteil ihrer in freier Natur gegebenen Lebensraum, wodurch ihre Bewegungsfreiheit sehr stark eingeschränkt wird. Damit keine Seuchen ausbrechen, werden die meisten Tiere routinemässig mit Antibiotika versorgt, was auch im Fleisch auf dem Teller Spuren hinterlässt.

Auch in biologisch geführten Betrieben werden Kälber nach der Geburt meistens von der Mutter getrennt, Legehühner bekommen die Antibiotika bevor sie die ersten Eier legen, Schweine haben kaum Platz sich in ihren Käfigen zu drehen. Ich spreche hier von der grossen Masse, bin mir aber auch bewusst, dass es Betriebe gibt, die beispielsweise muttergebundene Kälberaufzucht betreiben oder Zweinutzungshühner halten. Trotz allem werden sowohl für Milch, Eier und Fleisch Tiere getötet.

 

Wie es auch gehen kann: Nachhaltige Landwirtschaft

Es gibt zum Glück auch bei diesem Thema viele Lösungen und Beispiele, wie es anders gehen kann.

Biologisch

Wer vor allem die eigene Gesundheit und den Boden nicht mit Pflanzenschutzmittel vergiften möchte, kann sich für biologisch angebaute Lebensmittel entscheiden. Aber Bio ist nicht heilig: Auch in der biologischen Landwirtschaft dürfen gewisse Mittel benutzt werden, die den Boden bei übermässigen Gebrauch schädigen können. Dazu gehört beispielsweise Kupfer.  Kein Bauer vergiftet sein Land aber gerne.

Freies Saatgut

Patente auf Saatgut erobern momentan den landwirtschaftlichen Markt, machen diesen aber auch abhängig von den riesigen Konzernen. Deswegen haben einige Bürger die Initiative ergriffen und verteilen gratis Saatgut. Saatgutbörsen mit alten, „freien“ Saatgutsorten kommen wieder auf und sorgen dafür, dass wir die Diversität der Natur schützen.

Solawi

Solawi ist eine Abkürzung für Solidarische Landwirtschaft und basiert darauf, dass die Verbraucher (Kunden) eine Abnahmegarantie mit einem lokalen Landwirt eingehen, sodass diese ihre Produkte nicht über den Markt, sondern meist in Wochenanteilen verkaufen. Die Teilnehmer fördern nicht selten auch den Hof, um ihn beispielsweise ökologischer zu gestalten. Oft können Verbraucher auch beim Anbauen und Ernten helfen, wodurch beide Seiten profitieren. Unterdessen gibt es schon einige solche Projekte im deutschsprachigen Raum – es lohnt sich, einmal vorbeizuschauen.

Permakultur

Der Begriff Permakultur kommt aus dem englischen und bedeutet permanent (agri)culture (=dauerhafte Landwirtschaft/Kultur). Permakultur ist ein Designwerkzeug, was dazu dient im Einklang mit der Natur und somit lebensförderlich zu handeln, arbeiten und landwirtschaften. Dafür wird die Natur beobachtet, dann geplant und schliesslich angepflanzt. Alte Sorten, Biodiversität und Pflanzenfreundschaften werden gefördert, sodass der Platz optimal genutzt wird – sowohl für die Natur, als auch für uns.

Mit einer Nuss die Welt verändern – Hof Windkind

Ein konkretes Beispiel, was verschiedene Ansätze von oben kombiniert ist der Hof Windkind. Etwas ausserhalb von Berlin betreiben David und Silvia ihren Hof, auf welchem Baumnüsse angepflanzt werden. Die gesunden Nüsse, die im Gegensatz zu Cashews oder anderen „exotischen Nüssen“ wunderbar in unseren Breitengraden wachsen, werden oft aus dem Ausland importiert. Hof Windkind setzt dem entgegen und liefert ganze Walnüsse an die Baumpatinnen und Käufer. Die Nüsse schmecken übrigens super lecker und sind Bestandteil meines Müslis 🙂

Baumpate werden

Ähnlich wie in der solidarischen Landwirtschaft arbeitet der Hof Windkind mit Baumpatenschaften. Jährlich bekommt der Baumpate 8kg Walnüsse zugschickt. Wer möchte, kann seinen Baum auch besuchen gehen und mit einem Namensschild versehen lassen. Alternativ kann man auch eine gewünschte Menge an Nüssen bestellen, ohne einen Baum direkt zu finanzieren.

Diversität fördern

Mit Elementen aus der Permakultur achten Siliva und david darauf, dass nicht es nicht nur die Walnussbäume gut haben: Dank Vogelhäuser, Stein- und Holzhaufen und Wildblumen sind viele Pflanzen und Tiere auf dem Hof Windkind zuhause. Vögel, Eidechsen, Insekten und Kröten haben sich unterdessen schon eingenistet.

Bio-Veganer Anbau

Ja, auch Walnüsse können strikte genommen nicht vegan sein. Dann nämlich, wenn sie mit tierischen Substanzen gedüngt werden. Dazu gehört Mist, Gülle, Jauche aber auch Schlachtabfälle, Hornmehl oder Blutmehl. Klingt alles nicht sehr appetitlich, wird aber oft eingesetzt.

Beim bio-veganen Anbau wird nur mit Gras, Wildkräutern, Laub und Stroh gedüngt. Vor allem Klee und Leguminosen, welche Stickstoff im Boden binden können, spielen hier eine grosse Rolle.

Soziale Projekte

Für jedes verkaufte Kilogramm Walnüsse vom Hof Windkind fliessen 30 Cent direkt in soziale Projekte. Momentan unterstützen sie das Projekt Strassenkinder, denn gerade in Berlin gibt es viele Kinder und Jugendliche, die Hilfe gebrauchen können.

Fazit

Auch hier habe ich als Konsument eine Wahl und die Verantwortung, dass ich die Betriebe unterstütze, die meiner Meinung nach einen Beitrag zur Erhaltung des Lebens, der Natur und unseren Planeten leisten.

 

PS: Die meisten Fotos sind vom Hofwindkind 
PPS: Der Artikel ist in Kooperation mit Hofwindkind entstanden.