Minimalismus: Weniger Zeug, mehr Leben

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Minimalismus: Weniger Zeug, mehr Leben

2018-07-09T11:11:27+00:00Juli 4th, 2018|Minimalismus|

In dieser Artikelserie zeige ich dir, wie ich vom Chaotenkind zur Minimalistin geworden bin, und wie auch du mit weniger Zeug, mehr Leben, Platz, Zeit und Geld zur Verfügung haben wirst. Bevor wir uns ins Vergnügen stürzen: Hier eine kleine Einführung in die Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft:

Was ist Minimalismus?

Glück ist nicht käuflich

Weniger statt mehr? Genau das hat sich der Trend Minimalismus zum Ziel gesetzt. In der heutigen Konsumgesellschaft wird einem ständig suggeriert, dass man noch jenen Gegenstand braucht, es wird uns förmlich eingetrichtert, dass man nur mit gewissen Objekten glücklich werden kann. Sei dies ein Brotaufstrich, der als Familienglück verkauft wird, oder das neueste Auto, mit welchem man dann die tolle Frau dazubekommt – so scheint es jedenfalls. Zudem machen Shampoos die Kopfhaut glücklich. Wer dem Shoppingwahnsinn verfällt, merkt ebenso schnell, dass das „Glück“ nur kurz bei einem verweilt, bevor man einen neuen Gegenstand anschaffen muss, der dann wieder ein klein wenig Glück bringt. Dazu braucht es vor allem eins: Geld.

Irgendwann merkten wohl die Anfänger der Minimalismus-Bewegung auch, dass diese Spirale nicht funktioniert. Dass diese Gegenstände eher zur Belastung werden, als dass sie einen erfreuen. Wir haben eher Angst, dass unsere Besitztümer gestohlen werden, also brauchen wir grosse Mauern, gute Schlösser, Überwachungskameras.

Wenn ich in „ärmeren“ Ländern reiste, fiel mir immer auf, wie viel glücklicher die Menschen zu sein schienen. Sie lachten, sangen, tanzten viel öfters. Und das, obwohl sie gar nicht so viel besitzen. Mir ging es gleich, je weniger in meinem Rucksack war, desto glücklicher, freier war ich.

Klar gibt es da auch eine Grenze zur Armut. Der Punkt ist der, dass viele Gegenstände unser Glück nicht vermehren, sondern eher vom Leben abhalten. Und wenn wir nicht mehr leben, werden wir meiner Meinung nach auch nicht glücklich.

Weniger Zeug, mehr Leben

Minimalismus bedeutet aber nicht die Antwort zum Glück. Minimalismus zeigt bloss einen Weg auf, mehr Zeit, mehr Geld und mehr Platz zu haben, um das Leben zu leben.

Es geht darum, nur die Dinge zu besitzen, die man wirklich braucht (weiter unten mehr dazu). Der Rest wird verschenkt, verkauft, getauscht oder, falls man es sonst nicht loswird, entsorgt.

Weniger ist das neue nachhaltig

Weniger Konsum = weniger Ressourcen, Materialien = weniger Energie = nachhaltig. Diese Formel ist vielleicht nicht in allen Fällen gültig, aber je weniger wir kaufen, wegwerfen, rumtransportieren, desto kleiner ist unser Fussabdruck.

Wie ich zu einem minimalistischerem Leben gekommen bin

Die geborene Chaotin

Als Kind war ich eine Sammlerin, eine Chaotin. Ich liess alles rumliegen, mein Zimmer war vollgestopft mit Steinen, Federn, Büchern und Bildern. Das totale Gegenteil von meiner sehr ordentlichen Mutter, die mit verschiedensten Methoden versuchte, meine Unordnung zu strukturieren. Als sie schliesslich aufgab, kam ich von selbst drauf, dass ein Leben inmitten von Staub (man konnte bei dem Durcheinander auch nicht saugen) und Dingen nicht das Ideale für mich ist. Schritt für Schritt wurde ich zu einem ordentlicheren Kind.

Aus dem Rucksack leben

2014 entschloss ich mich dann, im Rahmen eines Auslandsemesters für ein halbes Jahr nach Australien zu gehen. Ein Koffer, ein Handgepäck – mehr stand mir nicht zur Verfügung. Als ich dann noch 6 Wochen nur mit dem Rucksack herumreiste, kam ich total schockiert in mein überfülltes Kinderzimmer. Ich konnte fast nicht mehr atmen – so viele Dinge, die meine Aufmerksamkeit von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens ablenkten. Der krasse Unterschied von Natur und wenigen Dingen im Rucksack zu einem überstellten Zimmer liessen mich ganz schnell mein Zeugs ausmisten.

Ein Jahr später führte mich mein Weg für 7 Monate auf Weltreise – ohne Ziel, ohne Plan, einfach dem Herzen nach. Wieder lebte ich aus dem Rucksack und fand es einfach fantastisch. Und wieder kam ich nach Hause und mistete schon am ersten Tag die Hälfte meiner Sachen aus. Kinderbücher, Klamotten, Dekozeugs, Geschenke, die ich irgendwann mal bekommen habe, die mir aber schon lange nicht mehr gefielen. Alles weg.

So kam es, dass ich ein halbes Jahr später folgenden Satz zu einer engen Freundin sagte: „I don’t need a lot of money, because I dont need a lot of stuff“. Zu der Zeit wohnte ich in einem Wohnwagen. Und nun will ich in ein Tiny House ziehen – mit meinem Freund zusammen –  was uns sozusagen zwingt, ein minimalistisches Leben zu führen. Mabelle, meine Freundin hat übrigens nach ihrer Heimkehr auch genau das gleiche gemacht: Ihr Zimmer ausgemistet und entrümpelt.

Was man wirklich braucht und was man besitzen will

Bei jeder Ausmistaktion merke ich, wie viel Dinge sich in meinen 25 Jahren angesammelt haben. Das Verrückte ist, dass man vieles davon gar nicht braucht. Nur um zu Leben bräuchte man fast gar nichts. Eine Matratze und vielleicht ein paar Küchenutensilien, in der heutigen Zeit wahrscheinlich noch einen Laptop oder ein Tablet, ein paar Klamotten und Kosmetikartikel.

Doch man will ja auch Leben, nicht nur existieren. Für mich bedeutet Minimalismus nicht, alles was man tatsächlich nicht braucht um zu leben, wegzuschmeissen. Es geht vielmehr darum, die Gegenstände loszulassen, die man über Monate nicht mehr benutzt hat, die eher im Weg sind, als dass sie eine Bedeutung für uns haben.

Ich behalte meine Nähmaschine und meine Bastelsache trotzdem – weil ich beides in meiner Freizeit benütze. Wie weit man gehen will, mit reduzieren, ist jedem selbst überlassen. Ich persönlich möchte mich nicht von allem trennen – Joachim Klöckner besitzt ungefähr 50 Gegenstände, inklusive Kleidung.

Wie anfangen?

Das tönt alles schön und gut – doch wo fängt man den an, bei diesen vielen Objekten, die man zuhause rumstehen hat? Was mich immer motiviert, auszumisten und zu minimalisieren sind Inspirationen aus dem Internet: Fotos, Tipps, Beispiele.

Was noch ein grösserer Umsetzungsdrang auslöst, ist das Gefühl, das ich habe, wenn ich mich von Gegenständen trenne: Dieses Aufatmen, loslassen. Es ist tatsächlich so, dass ich das Gefühl habe, mehr Platz zu haben. Es ist wie eine Sorge loszulassen – zu „ent-sorgen“ sozusagen 😉

Dies ist der erste Artikel einer Serie zu Minimalismus & Ausmisten. Als nächstes werde ich euch 6 Methoden zum Ausmisten aufzeigen.

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