Mikroplastik: Über Kleidung, Autoreifen und die Lösung des Problems

//Mikroplastik: Über Kleidung, Autoreifen und die Lösung des Problems

Mikroplastik: Über Kleidung, Autoreifen und die Lösung des Problems

2018-01-03T06:09:34+00:00 Januar 3rd, 2018|Nachhaltig|

Wusstest du, dass das Waschen von synthetischer Kleidung und die Abnutzung von Autoreifen die Hauptverursacher von Mikroplastik sind? Nachhaltige Verkehrsmittel, natürliche Textilien und der Guppyfriend helfen gegen die Verschmutzung des Wassers und der Natur.

DAS PROBLEM

Ergebe dich – von Plastik umzingelt
Ja, auf den ersten Schritt scheint es ziemlich schwer, dem Plastik den Kampf anzusagen, denn er hat sich sehr schnell und sehr breitflächig in unseren Alltag eingeschlichen. Von Verpackungen, bis Kleider, über Transportmittel bis zu Kosmetikprodukten – Plastikanteile findet man überall. Genau deswegen findet man Mikroplastikteile auch in Ozeanen, in Flüssen, in der Erde und sogar im Trinkwasser. Vor allem Meeresbewohner verwechseln die kleinen Plastikteilchen mit Plankton und leiden oder sterben daran. So wird Mikroplastik auch Teil der Nahrungskette.

Plastikverschmutzung
Während schon ein ganzer Kontinent voll Müll auf dem Ozean treibt, ist die Problematik des Mikroplastiks weniger offensichtlich, wortwörtlich. Primärer Mikroplastik besteht aus Plastikteilchen, die kleiner als 5mm gross sind und durch Abnutzung (Kleider), während Herstellungsprozessen oder Erosion (Autoreifen) aber auch absichtliche Herstellung (Kosmetikprodukte)entstehen. Sekundärer Mikroplastik entsteht, wenn grössere Plastikteile im Ozean durch die Wellen und Stein zerkleinert werden.

Das grösste Problem ist, dass Mikroplastik nur sehr schwer wieder rausgefiltert werden kann. Unsere Abwasseranlagen sind dazu noch nicht im Stande, wodurch der Wasserkreislauf vermehrt verschmutzt wird. So fand man beispielsweise schon im Rheinursprung Mikroplastik, obwohl das Wasser ansonsten keine Chemikalien, Medikamentenrückstände oder andere Verschmutzung enthielt.
Eine Studie, die 2017 veröffentlicht wurde, hat sich mit den Verursachern von primärem Mikroplastik beschäftigt und hat einige schockierende Erkenntnisse gefunden.

Ihren Schätzungen zufolge werden ungefähr 1.5 Millionen Tonnen primärer Mikroplastik in die Ozeane geschwemmt. Um dies etwas zu veranschaulichen: Diese Zahl entspricht dem Szenario, wenn jede Person auf dem Planet wöchentlich eine normale Plastik-Einkaufstasche (oder 212g Plastik) in den Ozean schmeissen würde! Da wir dies ja offensichtlich nicht tun, stellt sich die Frage, woher das ganze Mikroplastik denn stammt…

Die Hauptverursacher von Mikroplastik
Kurz und knackig gesagt sind das Waschen von synthetischen Kleidern (34.8%), die Erosion von Pneus beim Fahren (28.3%) und Stadt-Staub (24.4%) für diese missliche Lage hauptverantwortlich. Obwohl, dies falsch ausgedrückt ist: Verantwortlich sind wir – die Verbraucher! Deswegen hier noch weitere Informationen zum Problem und wie man es lösen kann.

Mit jährlichen 41.8 Millionen Tonnen umfassen synthetische Textilien für Bekleidung fast zwei-Drittel der gesamten Menge der gekauften Stoffe. Die Verbraucher waschen die synthetischen Kleider in der Waschmaschine, wodurch jedes Mal kleine Fasern abbrechen und ungefiltert in die Gewässer fliessen.

Des Weiteren fahren unterdessen 1‘412.6 Millionen Autos auf den weltweiten Strassen herum: Sie sind der zweithäufigste Verursacher von Mikroplastik. Über 70% der Autos gehören Privatpersonen. Die Fahrzeuge sind mit synthetischen Gummireifen ausgestattet, die während des Fahrens über Asphalt, Stein oder sonstiger Strasse abgenutzt werden. Hast du dir schon mal überlegt, wohin das Profil eines dieser fast 10 Kilo schweren Reifens verschwindet? Es löst sich (leider) nicht in Luft auf, sondern endet auf der Strasse, wird vom Regen in die Erde, ins Grundwasser oder in Abwasserschächte transportiert. Weitere 7% werden durch Strassenmarkierungen freigesetzt.

Stadt-Staub fasst verschiedene Mikroplastikquellen zusammen, wie beispielsweise den Abrieb der Gummisohlen von Schuhen, synthetischen Kochutensilien, der Abnutzung von Infrastrukturen sowie Strahlmittel.

Mikroplastik in Kosmetikprodukten sorgen für weitere 2%, die letzten Prozente entstehen durch Beschichtungen von Meeresschiffen und deren Abrieb durch Wellen im Meer.

DIE LÖSUNGEN

Nachhaltige Verkehrsmittel nutzen
Ja, auch durch Busfahren entsteht Mikroplastik, allerdings können zumindest mehr Personen auf einmal transportiert werden. So werden anstatt 4 Reifen pro Person (wenn das Auto nur den Fahrer herumtaxiert), die Reifenanzahl auf die Busfahrenden aufgeteilt. Wer sich denkt, deswegen auf den Drahtesel umzusteigen: Sogar die Fahrradreifen tragen zum Problem bei, denn auch diese werden abgenutzt. Wer also nicht (nur) barfuss gehen will, kann hoffen, dass Reifenhersteller ihr Versprechen halten und nachwachsende, natürliche Rohstoffen die Zukunft der Reifen ist.

Natürliche Textilien
Anstatt nur auf die Kleidergrössenmarkierung zu achten, kann man gleich noch den Blick zum Etikett schweifen lassen: Aus welchem Material besteht das Objekt?
Es gibt unterdessen so viele verschiedene Materialien, woraus ein Stoff bestehen kann. Am besten kaufst du dir Biokleider, die aus Hanf, Leinen, Baumwolle, Bambus oder einem anderen natürlichen und nachwachsenden Rohstoff gefertigt sind. Um den Stoff und die Umwelt zu schonen, nicht wärmer als 30°C waschen (ich mach nur bei Unterwäsche und Putzlappen und Co eine Ausnahme).

Der Grossteil meiner Garderobe besteht aus Baumwoll- oder anderen nachwachsenden Fasern. Alles, was ich neu kaufe, ist zudem bio und fairtrade. Aber bei Second-Hand-Sachen sind Etiketten manchmal nicht dabei. Ich versuche dann zu erstasten, ob es sich um Baumwolle oder Synthetik handelt – und bin meist ziemlich erfolgreich.

Mein Bikini und meine Sportsachen, die ich schon seit Jahren hab momentan noch aus synthetischen Stoffen. Alles wegschmeissen? Nein, der Guppyfriend hilft aus:

Guppyfriend – Waschen ohne Mikroplastikverschmutzung

Die Tatsache, dass das Waschen von synthetischen Kleidern ein Hauptverursacher für die „Plastifizierung“ unserer Umwelt ist, hat auch die Surfer und Naturliebhabern von Langbrett schockiert und zum Handeln motiviert. Sie entwickelten den Guppyfriend Waschbeutel, der die Kunstfaserbruchstücke daran hindert, in die Gewässer zu fliessen.

Die synthetischen Kleider werden einfach in den Beutel getan und ab damit in die Waschmaschine. Nach dem Waschen sollte dann eine kleine Menge Mikroplastik im Beutel (und nicht im Wasser!!) zu finden sein, der dann im Restmüll entsorgt werden kann. Das high-tech Gewebe des Beutel besteht aus Nylon und kann recycelt werden.

Ich hab den Beutel getestet und bin zu folgendem Fazit gekommen:

Der Guppyfriend in Anwendung
Einfacher könnte es nicht sein: Wäsche in den Beutel, Reisverschluss zu, waschen und Wäsche wieder raus. Zurück bleiben tatsächlich kleinste Teile von Mikroplastik. Die kleinen schwarzen „Fuseli“ werden aber zum Glück vom Guppyfriend davon bewahrt, ins Wasser zu gelangen. Ich war ehrlich gesagt schockiert, wie klein diese Härchen sind, und war nicht verwundert, dass diese sich durch die Abwasserreinigungsanlagen schmuggeln.

Auch wenn die Menge insgesamt pro Waschgang ziemlich winzig ist – es lohnt sich nicht, sie jedesmal aus dem Beutel zusammenzutragen, kommt da weltweit schon ziemlich viel zusammen!
Ich freu mich jedenfalls riesig, dass meine Wäsche die Umwelt nicht weiter verschmutzt und sogar noch geschont wird beim Waschen =)

Leave A Comment