Ausmisten, ja, aber wie? Ich habe in diesem Artikel schon einige Methoden vorgestellt. Hier geht es jetzt darum, wie ich selbst ausmiste. 

Als Kind hatte ich eine Freundin, die mir erzählte, dass sie gerne aufräumt und ausmistet. Ich erinnere mich genau an diesen Moment: Wir standen in ihrem schön aufgeräumten Zimmer und mir viel der Kiefer runter. Ich hab sie wahrscheinlich ziemlich geschockt angeguckt. Es war etwas, was mir so schwer viel, was ich absolut hasste. Und sie mochte es? Ich konnte es nicht verstehen und deswegen glaubte ich ihr nicht.

Wenn ich mal aufräumen musste, so stopfte ich mehr oder weniger alles in irgendeinen Schrank oder eine Schublade. So – sieht doch gleich besser aus. Ich orientierte mich mehr am Sprichwort „Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen“, anstatt „Ordnung ist das halbe Leben“.

Fast forward to now: Ich liebe es auszumisten. Sogar meine Schubladen sind heute aufgeräumt. Ich lebe einen Zero-Waste-Lifestyle, indem meine Esswaren alle in schönen Gläsern in der Küche stehen, dank dem Plan in ein Tiny House zu ziehen, fällt es mir noch leichter, mich von Unnötigem zu trennen. Wie in diesem Artikel schon beschrieben, war das Leben aus dem Rucksack eine der besten Erfahrungen, die ich erleben durfte. Mehr brauchte ich nicht. Also mistete ich nach meiner Rückkehr ein Grossteil des „Restes“ aus.

Die Reise-Packliste-Methode

Daraus habe ich dann auch eine Methode entwickelt, die ich jetzt mal Reise-Packliste-Methode nenne. Falls dir tatsächlich eine Weltreise ansteht, dann umso besser. Ansonsten tut es auch der nächste Urlaub oder eine imaginär geplante Reise.
Die Grundfrage lautet: Was nehme ich mit, wenn ich ein halbes Jahr unterwegs bin?
Dabei sollten zwei Dinge beachtet werden: Welche Dinge brauche ich und was liebe ich?
Anstatt das Hochzeitskleid oder ein sehr elegantes Kleid mitzunehmen, entscheidet man sich dann vielleicht für das schöne Kleid, welches man aber auch am Strand tragen kann. Multifunktionalität ist der Schlüssel. Ich nehme immer meine Lieblingsklamotten mit in die Ferien. Den Rest trage ich eigentlich nie. Also können sie auch weg.
Natürlich brauchst du jetzt nicht deine ganzen Möbel wegzugeben, aber auch hier kannst du für einen geplanten oder ungeplanten Umzug „Packen“. Was brauche ich wirklich, was nicht?

Das 3 Stapel-System

Eine weitere Methode, die ich anwende: Ich fang in einem Raum, einem Regal an und miste, wenn möglich, das ganze Zuhause in einer relativ kurzen Zeit aus.
Dabei wird es chaotisch – also wähl besser eine Zeit, wo du nicht gerade wichtigen Besuch erwartest (oder erklär es ihnen einfach). Nun stellst du 3 Boxen bereit: Verkaufen, Verschenken, Entsorgen. Du kannst auch einfach 3 Stapel auf dem Boden machen – was immer dir einfacher geht. Wähl nun ein Zimmer, ein Regal, ein Abteil und nimm alles heraus, was darin ist.
Ähnlich wie bei der Konmarie-Methode, habe auch ich ein paar Fragen, die ich mir bei jedem Gegenstand in der Hand stelle:

• Was für Gefühle / Erinnerungen weckt der Gegenstand?
Positiv: Kann bleiben, Negativ: Zeit loszulassen

Diese Frage beruht bei mir persönlich auf dem Problem, dass ich oft alte Geschenke, Fotos oder andere Erinnerungsstücke nicht loslassen konnte, weil ich dachte, dass ich die Leute verletze, mit denen mich der Gegenstand verbindet. Dies ist mir vor allem bei Geschenken, die ich vor Jahren von meiner Schwester oder guten Freundinnen bekommen habe, passiert. Da ich die Beziehung zu diesen Menschen schätze, möchte ich die Dinge nicht einfach wegwerfen. So geht es einigen sicherlich auch mit den Geschenken von Tante Emma, die man bei ihrem Besuch schnell rauskramen und aufstellen muss.

Solche Dinge sind eine Belastung. Und meiner Meinung nach verbindet mich viel mehr mit Menschen, als Geschenke, die sie mir irgendwann mal gemacht haben. Wenn die Person deswegen enttäuscht oder wütend wird, ist das a) ihr Problem und b) zeigt es auf, dass diese Person ganz andere Werte hat als du, und deshalb vielleicht sowieso nicht mehr zu deinem engsten Kreis gehört…

• Wann habe ich den Gegenstand das letzte Mal gebraucht?
Länger als 1/2 Jahr: Weg

Ja, vielleicht in jener oder dieser Situation, könnte ich eventuell diesen Gegenstad wieder mal verwenden. Sei dies ein Kleid, ein zweites Geschirrset oder die alte Kamera. Wie oft hast du dein altes Equipment nicht weggegeben und für allfällige Fälle aufbewahrt, obwohl du vorher auch nur das Eine hattest und dir nichts gefehlt hat?
Diese Dinge brauchen wir nicht. Wir brauchen nicht Backups vom Backup. Falls wirklich mal was Wichtiges kaputt geht, und du merkst, dass du den Gegenstand brauchst, leben wir ja in einer Konsumgesellschaft, wo fast alles überall kaufbar ist. Auch hier kann es Ausnahmen geben: Falls du beispielsweise bald planst, ein Kind zu haben, macht es keinen Sinn, alles Kinderspielzeug wegzugeben.

• Würde ich den Gegenstand wieder kaufen?
Hand aufs Herz: Würdest du den Gegenstand wieder kaufen? In vielen Fällen wahrscheinlich nicht. Wenn du den Gegenstand dann auch kaum brauchst, kann er weg. Gerade bei Klamotten hilft mir die Frage – denn wenn ich das Teil nicht mehr kaufen würde, trag ich es wahrscheinlich auch nicht gern.

Be in the mood – Ausmisten, wenn es dir leicht fällt

Ich kann nicht an jedem Tag gleich gut ausmisten. Manchmal ist es mehr erzwungen und fast alle Gegenstände landen auf dem Behalten-Stapel. Und dann gibt es Tage, da füllen sich die Kartons fast von alleine. Alles hat seine Zeit, also miste aus, wenn du dich danach fühlst.

Make it feel good – Ausmisten sollte Spass machen

Für mich heisst Minimalismus nicht, alles wegzugeben, was nicht absolut nötig ist. Es heisst bloss, das Zeug wegzugeben, was du tatsächlich nicht benutzt und zu welchem du eine negative Einstellung hast (zbsp. ein Geschenk von einem Ex, ein Fehlkauf, den du nur weiter aufbewahrst, weil er so teuer war,…). Diese Dinge beeinflussen dich ständig: Jedes Mal wenn du sie anguckst, erinnern sie dich an diese oder jene Situation.
Und somit reissen sie dich jedes Mal aus dem Moment, aus dem Leben. Umringe dich mit Gegenstände, die mit positiven Gefühlen behaftet sind. Weniger ist mehr!