Heilkräuter des Herbstes

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Heilkräuter des Herbstes

2017-09-19T08:12:31+00:00September 19th, 2017|Heilpflanzen, Nachhaltig|

Ein Kräuterspaziergang mit Cornelia Rick

Am Samstag war ich auf einem Kräuterspaziergang in Markdorf. Bei strahlendem Herbstwetter lernte ich wieder einmal mehr, was die Natur uns alles zu bieten hat: Von Pflanzen die als Pflaster eine Wunde heilen können bis hin zu Vitamin C bomben, dass jede noch so orangene Orange verblassen würde. Das alles brauchen wir nicht in Apotheken für viel Geld zu kaufen, sondern können es im Wald und auf Wiesen sammeln oder selbst zuhause anpflanzen – vorausgesetzt man kennt die Pflanzenwelt gut genug.
Hier ein ganz kleines Kräuter-ABC des Herbstes und welche Superkräfte die lokalen Pflanzen haben.

Brennnessel

Die Brennnesseln freuen sich auch im Herbst nochmals über die kürzeren Tage mit Sonnenschein und spriessen grün aus dem Boden. Brennnesseln entschlacken und entgiften und werden deshalb oft im Frühling in einer Kur von maximal 3 Wochen angewendet. Die Samen im Herbst enthalten viel Eiweiss und sind potenzerhaltend für Männer. Früher wurden teilweise lahme Pferde damit «frisiert», bevor sie verkauft wurden, denn die Brennnesselsamen machten die Pferde wieder fit und gepflegt, solange sie diese im Futter hatten. Brennnesseln enthalten zudem viel Eisen und wurden früher auch zu Nesselstoff verarbeitet.

Eberesche / Vogelbeere

Vogelbeeren sind nicht giftig, wenn man sie kocht. Zu viele davon roh geben allerdings Bauchschmerzen. In 100 g der Beeren sind 100mg Vitamin C erhalten. Die Eberesche ist gut für die Stimme und die Früchte können am Faden auch im Winter aufbewahrt werden und dann nach und nach gegessen werden. Als Marmelade schmecken die Beeren mit Birne hervorragend.

Eisenkraut / Verbene

Das unscheinbare Eisenkraut wird von der Göttin Isis als Diplomatenkraut genutzt. Dank der Pflanze findet Isis so einen Weg, Menschen friedlich verhandeln zu lassen, denn Verbene beruhigt. Es wird auch als Besenkraut bezeichnet, da in vorchristlichen Zeit Altäre damit gereinigt wurden. Den Namen Eisenkraut erhielt es, weil es bei der Schwertherstellung ins Wasser gegeben wurde und es deswegen den Träger unverletzbar machen sollte.
Eisenkraut kann als Salbe die Wundheilung antreiben, Sonnenbrand, Juckreiz und Ekzeme lindern und befreit die Schleimhäute. Als Tee wirkt er beruhigend und sorgt für guten Schlaf.
Eisenkraut kann als Salbe die Wundheilung antreiben, Sonnenbrand, Juckreiz und Ekzeme lindern und befreit die Schleimhäute. Als Tee wirkt er beruhigend und sorgt für guten Schlaf.

Gänseblümchen

Die kleine Orakelpflanze hat dieses Jahr sogar den Titel der Heilpflanze 2017 erhalten. Obwohl das Gänseblümchen unscheinbar wirkt, kann man es sogar als Wetteranzeige nutzen. Denn wenn der Regen kommt, öffnet sich das Gänseblümchen nicht am Morgen.
Es hilft zudem Blutungen zu stoppen, Prellungen zu lindern und Gallensteine zu lösen. Zudem schmecken Gänseblümchen auch im Salat und Tee.

Goldrute (einheimische)

Die Goldrute blüht bis in den Oktober wunderschön goldgelb. Blüten und Blätter können, luftig getrocknet, als Tee genossen werden. Die einheimische Goldrute hilft gegen Nieren und Blasenleiden und soll sogar Nierengewebe nachwachsen lassen können.

Hagebutte

Um das Gehöft vor Eindringlingen zu schützen, wurden früher Hecken oder Hage aus Büschen herum gebaut. Auch die Hagebutte, wie der Name schon andeutet, gehörte dazu. Das Wort Hexe stammt übrigens aus diesem Zusammenhang: Hexen waren Hagreiterinnen, als solche, die diese Hecken überwinden konnten.
Zurück zur Hagebutte: Die Früchte beinhalten feine Härchen, die bei Kindern beliebt sind als Juckpulver. 8 Hagebuttenfrüchte beinhalten allerdings auch mehr Vitamin C als 5 Orangen! Die Früchte können auch als Tee oder Marmelade konsumiert werden.

Holunder

Dem Holunder sagt man nach, dass er gerne bei den Menschen ist und wurde früher als Wohnstätte guter Geister bezeichnet.
Aus den schneeweissen Blüten im Mai kann man Sirup oder Liköre machen. Die getrockneten Blüten können auch als Tee genutzt werden. Holunder hilft, alles auszuschwitzen. Die Beeren, die erst rot und dann schwarz sind ergeben einen Vitamin C reichen Saft. Wer die Beeren in grösseren Mengen geniessen möchte, sollte diese zuerst kochen. Früher wurde übrigens auch die Rinde des Holunders gegen Durchfall verwendet.

Indisches Springkraut

Der Neophyt ist in grösseren Mengen giftig für uns. Bei einem Stich oder Verbrennung kann ein abgerissener Stil draufgehalten werden, was sehr kühlend ist. Die gleiche Wirkung hat das einheimische Springkraut

Ringelblume

Die Sonnenbraut wächst überall, nur nicht wild. Sie wirkt desinfizierend, entzündungshemmend und schmerlindernd. Ringelblumenöl oder Salbe kann auf rissige Haut, Sonnenbrand, wunde Babypopos und Verbrennungen aufgetragen werden. Meine neue Lieblingsblume 

Schwarzdorn

Der Schwarzdorn ist die Zwetschgenmama: Von ihm stammen alle Zwetschgenbäume ab. Die Schlehen, die Beeren des Schwarzdorns sollte man bis zum ersten Frost hängen lassen, damit die Bitterkeit etwas abnimmt. Die Schlehen beinhalten viel Vitamin C und stärken das Immunsystem. Der Schwarzdorn hat einen dunklen Stamm und blüht sehr früh im Frühling, bevor er Blätter trägt. Die Beeren können auch in einen Saft oder Likör genossen werden.

Waldengelwurz

Seine ursprüngliche Heimat ist Island, weshalb er es auch schattig und kalt mag. Man kann ihn gut erkennen an den Füllblätter und dem glatten Stängel. Er soll ein «Engel» in Pflanzengestalt sein und kam über Klostergärten von Island nach Europa. Der Waldengelwurz ist zweijährig und wider jeden Giftes. Er kuriert Nasennebenhöhlenleiden, als Balsam heilt er zähen Husten und löst Schleim. Waldengelwurz leitet Gifte aus, ist gegen Allergien, antiseptisch und fördert die Vitalität. Ein kleiner Alleskönner, den man allerdings leicht verwechselt mit seinem giftigen Verwandten, dem Schierling.

Weissdorn

Weissdorn oder auch Mehlfässle genannt gehört zu den Rosengewächsen und ist ebenfalls reich an Vitamin C. Der Weissdorn soll tiefen und guten Schlaf fördern. Nicht wunderlich, dass Merlin aus den englischen Sagen unter einem Weissdornbusch schläft und vielleicht Dornröschen umringt von Weissdornen und nicht einer Rosenhecke schlief. Die Früchte sind essbar und schmecken, wie der zweite Name verrät, sehr mehlig. Sie können allerdings auch als Mehl in Brot eingebacken werden.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an Cornelia für das uralte Wissen und die Inspiration. Wenn ich jetzt durch die Strasse laufe, sehe ich überall Hagebutte und Co und freu mich schon, eines der Rezepte auszuprobieren…

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