Der Sommer ist gekommen – gerade noch rechtzeitig für unsere Hochzeitsfeier der etwas anderen Art Anfang Juni. Im ersten Teil geht es darum, wie das Fest möglichst ökologisch gestaltet wurde und im zweiten, wie wir unsere Liebe gefeiert haben.

Grüne Hochzeitsfeier: Zero Waste und Vegan

Location

Die Grillhütte Heiligenberg ist einfach aber wunderschön. Mit Bodenseeblick in mitten der Natur und einer einfachen Waldhütte als Regenoption war die Location nicht sehr luxuriös, dafür auch nicht teuer (75 Euro). Ohne Strom (ausser Generator) und Wasseranschluss und einem Campingklo ist es definitiv nicht ein Ort für pikfeine und schleppentragende Bräute. Für uns war es jedoch perfekt – das Wetter hat auch mal wieder seine schönste Seite gezeigt – vom Sonnenschein bis zum Sternenhimmel.

Essen und Getränke

Veganes Catering

Wir haben das Glück ein veganes Cateringunternehmen (V20) in der Nähe zu haben. Für unsere Waldhütten-Hochzeit gab es verschiedene Salate, Lasagne und ein Curry mit Reis. Zum Dessert gab es Tiramisu, Mousse au Chocolate und Fruchtsalat. Alles hat mega gut geschmeckt und ist auch bei den Omnivoren sehr gut angekommen. Wiedermal ein Beweis, das vegan nicht langweilig schmecken muss… zudem waren die laktose-intoleranten und gluten-empfindlichen Gäste ebenfalls gut aufgehoben.

Einzig die 5 Salate und 3 Desserts in der Glasschüsseln  kamen mit Frischhaltefolie eingepackt angeliefert, der Rest war alles in waschbaren und wiederverwendbaren Behältern. Als Mitternachtssnack haben wir Stockbrot und eine selbstgemachte Wildkräuterbutter vorbereitet.

 

 

Getränke

Da es auf unserer Location kein Fliessend-Wasser gab, haben wir jegliche Kanister mit Leitungswasser gefüllt (zum Händewaschen, Trinken und Abwaschen). Zudem gab es Sprudelwasser und Apfelsaft aus Pfandglasflaschen. Bier (das meiste in Bügelflaschen) und Weisswein waren ebenfalls aus Pfandflaschen, nur der Rotwein war Einweg.

Da wir die Getränke vorgekühlt gekauft haben und dann in unsere Kühlboxen (welche wir Second Hand erworben haben) gepackt haben, sind sie schön kühl geblieben. Zudem gab es einen kleinen Kühlschrank, welcher ein paar Stunden mit einem Stromgenerator (leider nicht so öko) betrieben wurde.

Geschirr

Das Geschirr haben wir vom Caterer mitbestellt Da wir nur ein Teller und je ein Wein- und Wasserglas für unsere Gäste hatten, mussten wir dafür sorgen, dass diese sich den ganzen Abend an ihrem Glas „festhalten“. Wir sind kein Fan von Tischordnung, also war es keine Option die Plätze mit Namenskärtchen zu beschriften (und ganz ehrlich, das würd eh nicht helfen, weil die Leute sich dann doch mal hier, mal da hinsetzen). Also haben wir Kreidestifte beim Buffet hingestellt, mit welchen sie ihre Gläser beschriften konnten. Das hat super funktioniert und auch zu einigen originellen und amüsanten Beschriftungen geführt.

Stoffservietten

Passend zur grünen Hochzeit habe ich second hand Stoffservietten zu einem Schnäppchenpreis ergattert. Da die Servietten ebenfalls grün sind, kann man sie super gut waschen und man sieht nicht jeden winzigen Weinfleck. Die Servietten werden uns hoffentlich noch bei vielen Festen auch im Tiny House begleiten.

Kleidung und Schmuck

Wie schon in diesem Beitrag erwähnt, ist mein Kleid und Felix’s Hemd Second Hand. Sein Hut habe ich mir vor langer Zeit in Australien gekauft – er passt allerdings besser zu ihm als zu mir 😀 Schuhe haben wir entweder gar keine, oder unsere schon vorhandenen getragen. Die Federnketten habe ich aus meinem Schmucksammelsurium gebastelt, mit gefundenen Federn.  Ansonsten haben wir keinen Schmuck getragen, wir haben uns auch gegen Eheringe entschieden, da wir beide nicht gerne Ringe tragen.

Blumen von der Wiese

Wie schon bei der standesamtlichen Hochzeit, hab ich meinen Blumenkranz wieder selber gemacht. Auch die Blumen in den upcycelten Weinflaschen stammen direkt vom Feld. Günstiger geht es nicht. Und viel Grün auf den Tischen braucht es nicht, wenn die Aussicht so zauberhaft ist.

Upcycling Deko

Aus Reststücke der Fassade fürs Tiny House haben wir unser Hochzeitsschild sowie die Wegweiser zur Party gebastelt.

Aus einem alten Stoff habe ich eine Girlande genäht und aus Bocksbeutel Weinflaschen meiner Schwiegereltern wurden Blumenvasen, welche ich mit einem Mandala verziert habe.

Geschenke

Auf der Webseite haben wir unsere Gäste schon darauf hingewiesen, dass wir keine materiellen Geschenke haben möchten – wir ziehen schliesslich in ein Tiny House!

Wir haben uns stattdessen Zeit mit ihnen gewünscht. Nun erwarten uns Wanderungen, gemeinsame Nachtessen, Bierbrauen, Kanufahren, ein Tag in Hamburg, Wellnessen und eine Kräuterwanderung… was will man mehr – ich freu mich riesig auf die gemeinsamen Erlebnisse.

Wir haben doch ein paar „materielle“ Geschenke erhalten, welche alle sehr originell und darauf bedacht waren, ökologisch und unserem Lebensstil entsprechend. So haben wir beispielsweise ein Brot im Glas, ein kleiner, wunderschöner Waldteich (siehe Foto), ein Herz aus Holz mit allen Unterschriften,  selbstgemachte Samenbomben und ein Gutschein auf Birkenrinde geschenkt bekommen.

 

Fotos

Anstelle eines Fotografen hat meine Schwester (und Trauzeugin) wundervolle Fotos gemacht. Auch ein guter Freund, Rainer Rössler (Fotograf) hat uns von unserer besten Seite abgelichtet. Einige Fotos dieses Artikels sind von ihm. Im Zeitalter des Smartphones haben viele weitere tolle Fotos gemacht, welche ich in einer Dropbox für alle zur Verfügung stelle. Ausdrucken tue ich wahrscheinlich nur vereinzelte, welche dann als Bild im Tiny House hängen werden. Fotobücher sind nicht mehr so meins, ich hab ja ein Blog, wo sich Menschen mein Leben anschauen können.

 

Müllbilanz

All unser Müll passte in eine kleine Kartonschachtel. Darin waren ein wenig Toilettenpapier (welches nicht in die Campingtoilette gegeben werden sollte laut Besitzer), ein paar Kronkorken, ein paar Weinkorken (welche wir natürlich recycelt haben), 3 Ballone ,welche ein Gast mitgebracht hat, ein paar Blätter Papier (Beschriftungen, wo was zu finden war), der Frischhaltefolie vom Caterer und zwei drei kleinen Dingen von unseren Gästen.

Nicht perfekt, aber sehr gut für eine Feier mit 40 Leuten. Auch einige der Gäste waren beeindruckt, wie wenig Müll eigentlich entstehen kann, wenn man ein wenig überlegt…

Die Liebe im Kreis feiern

So, genug über die ökologische Seite geschrieben, nun auch noch ein Wort dazu, was wir denn da überhaupt gemacht haben. Da wir beide keiner Kirche mehr angehören und ein Ringaustausch ohne Ringe auch nicht geht, haben wir uns entschieden, eine schöne, total freie Zeremonie im Kreis zu machen.

Nach einer kurzen Ansprache in unseren vier Sprachen (Schweizerdeutsch, Hochdeutsch, Platt und Englisch) hat Jana eine von mir selbstgeschriebene Geschichte über die Liebe vorgelesen. Danach haben wir einen Redestab durch den Kreis gegeben. Unsere Gäste hatten die Gelegenheit uns so direkt zu sagen, was sie uns für unsere gemeinsame Zeit wünschen. Es war so berührend, was unsere Familien und Freunde über uns denken und uns wünschen. Dadurch haben sich die Gäste auch untereinander schon etwas mehr kennengelernt, da viele auch die Beziehung in der sie zu uns stehen, erläutert haben und gemeinsame Erlebnisse genannt haben. Obwohl sich einige vielleicht etwas ins „kalte Wasser“ geschmissen gefühlt haben, vor 40 Menschen zu reden, hat der Kreis wie immer dazu getragen, dass sich alle wohl gefühlt haben.

Danach haben Felix und ich uns ebenfalls gesagt, warum wir miteinander diesen Weg gehen möchten und was wir aneinander schätzen. Es waren keine klassischen Eheversprechen, sondern das, was wir in dem Moment gerade gefühlt haben – also die gleiche Challenge, wie unsere Gäste.

Meine Eltern haben dann noch eine kleine Überraschung eingeplant, in dem wir ein Stoffherz ausschneiden durften, um danach gemeinsam den ersten Schritt zu machen.

Als Abschluss der Zeremonie haben wir gemeinsam „E Malama“ (ein hawaiianisches Lied) gesungen. Danach gab es Apéro (Chips aus dem Unverpackt-Laden) und Fotos.

Der Abend war gemütlich und frei. Wir haben lecker gegessen und danach ein Feuer gemacht. Irgendwann gab es dann noch Stockbrot mit selbstgemachter (veganer) Kräuterbutter.  Um’s Feuer wurde gesungen, an den Tischen gelacht und geredet. Über uns das sternenklare Himmelszelt.

Viele Gäste haben direkt im Auto, Zelt oder Camper geschlafen, so dass kein grosser Verkehr war und wir gemeinsam ein Potluck Frühstück genossen haben.

Der Tag war viel schöner gewesen, als ich es mir ausmalen konnte. Obwohl die Vorbereitungen (vor allem in Kombination mit wenig Zeit, Tiny House bauen, Umzug organisieren etc.) ziemlich stressig war und ich mich schon fragte, warum wir dass alles überhaupt machen, verlief alles super und mit vielen helfenden Hände waren Auf- und Abbau ein Kinderspiel. Herzlichen Dank nochmals an alle für eure Hilfe, euer Dasein und Mitfeiern.