Obwohl es wahrscheinlich wenige lesen werden, möchte ich meine Erfahrungen der globalen Klimademo teilen. Denn sie haben für mich nicht nur ein globales Zeichen gesetzt, sondern auch einiges bei mir und anderen Teilnehmern bewirkt.

Unterschiedlichste Menschen kommen für eine Sache zusammen

Als Felix und ich mit unseren Transparenten zum Demo-Ort in Markdorf kamen, waren dort schon ganz viele Menschen versammelt, zumindest für die kleine Stadt Markdorf. Von den 14‘000 Bewohnern haben sich fast 10%, 1‘300 Menschen getroffen, um gemeinsam für das Klima und eine nachhaltigere Welt zu demonstrieren. Von Müttern mit Kleinkindern bis zu Opas und Menschen im Rollstuhl war alles mit dabei. Was anderenorts zu Spannungen führen kann, war hier sehr friedlich abgelaufen. Ich hätte nicht mitgemacht, wenn es anders gewesen wäre, und trotzdem hat es mich berührt einmal mehr zu sehen, dass wir Menschen es doch könnten… wenn wir denn nur wollen.

Es sind nicht alle gleich weit

Als Veganerin und Zero Wastlerin wollte ich auch was hören, was in meine Richtung geht. Ich habe während der Demo bemerkt, dass ich das Gefühl hatte, schon weiter zu sein, als andere, dass die andern umdenken müssten. Ich konnte sie noch nicht akzeptieren, dass sie nicht im Unverpacktladen einkaufen, vermehrt auf tierische Produkte verzichteten. Gleichzeitig habe ich Menschen mit Fahrradhelmen gesehen, die gegen die vielen Autos und für verbesserte Radwege und ÖNPV demonstrierten. Das ist ein Schritt, den Felix und ich noch nicht geschafft haben. Wir besitzen ein Auto und nutzen dies auch.

Ich merkte also, dass ich auch noch nicht so weit war, wie andere, nur einfach in anderen Bereichen. Aber geht es wirklich darum, die anderen abzulehnen? Mir wurde einmal mehr bewusst, dass wir alle für die gleiche Sache einstehen, uns alle eine nachhaltige, liebevolle Welt wünschen.

Die Liebe ist Teil des Wandels

Einer der Speakers war der Pfarrer der evangelischen Kirche. Da ich selbst keiner Kirche angehörte, war ich erstmal skeptisch, da ich bewusst aus der Kirche ausgetreten bin. Aber was er sagte, hat mir einmal mehr gezeigt, dass eine Institution auch aus Menschen besteht, und diese sehr unterschiedlich sein können.

Er ermutigte die Menschen, immer weitere kleine Schritte zu tun und nicht nur die Politiker für die Lage unserer Erde verantwortlich zu machen. Und dann sagte er, dass wir dies mit Liebe tun sollen. Im selben Moment fuhr ein LKW hinter ihm durch, auf welchem „Love is in the air“ stand. Was für eine wundervolle Synchronizität.

Was Stille und Hände bewirken können

Dann kündigte er an, dass die Glocken beider Kirchen für 3 Minuten geläutet werden, um zu zeigen, dass auch sie für einen Wandel sind und sich Fridays for Future so mit anschliessen. Die Organisatoren ermunterten die Demonstranten sich die Hände zu geben und diese in den Himmel zu strecken und die drei Minuten lang zu schweigen. Ich war so berührt, dass ich keine einzige Person sehen konnte, die nicht mindestens eine Hand in der des Nachbars hatte.  Und so verschwand auch mein Gefühl, andere verändern zu wollen. In dem Moment spürte ich, dass wir alle das Beste getan haben und dass dies okay ist.
Nach den drei Minuten war ich nicht die einzige, die Tränen in den Augen hatte.

Danke

Es bleibt also nur noch eins: Mich bei allen zu bedanken, die mit mir auf der Strasse waren. Und zwar nicht nur die Menschen in Markdorf. Danke, dass global so viele aufgestanden sind und ein Zeichen gesetzt haben, dass wir anders mit der Erde umgehen wollen. Danke auch an die Person, mit der es alles angefangen hat: Greta Thunberg.