Ein Wiedersehen in Bratislava

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Ein Wiedersehen in Bratislava

2018-03-28T05:55:57+00:00 März 28th, 2018|Europa, Pachamama, Reisen, Selbstliebe|

Vor zwei Jahren habe ich in Neuseeland auf einer veganen Farm einen ganz besonderen Menschen kennengelernt. Während wir damals mit Gummistiefeln frühmorgens gerettete Schweine und Hühner fütterten, habe ich sie im März  in Bratislava besucht. Die Reise war weit mehr als ein Städtetrip, sondern hat mich auch zurück auf meine spirituelle Reise geschickt.

Long Distance Friendships work!

Obwohl ich Johana seit gut anderthalb Jahren nicht mehr gesehen hatte, schickten wir uns ständig Nachrichten und Voice Messages zu, sodass wir uns weiterhin auf unseren Weiterentwicklungen unterstützen konnten. Während ich mir eine Long Distance Beziehung (nicht) mehr vorstellen kann, weiss ich, dass dies mit Freundschaften sehr gut funktioniert. Denn viele mir sehr wichtige Menschen leben überall auf dem Planeten verstreut.

Irgendwann kam aber dann trotzdem der Zeitpunkt, wo ich es nicht mehr aushielt, und Johana einfach wiedersehen musste. Also Zug gebucht, Rucksack gepackt und los geht’s.

Die Deutsche Bahn und die Geduld

„Keine Panik, wenn der Zug Verspätung hat“, sagte Felix noch, bevor er mir einen Abschiedskuss gab am Bahnhof, „das ist ganz normal für die Deutsche Bahn.“ 15 Minuten später sass ich immer noch im gleichen Zug, welcher sich keinen Zentimeter bewegt hat. Irgendwann kommt die Nachricht, dass es weitere 10 Minuten gehen würde. Sofort strömen die Leute aus dem Zug und in den kleinen gelb-markierten Bereich. Sie verbringen die Zeit damit, noch eine zu rauchen. Mindestens ein Fuss auf der gelben Linie, damit es auch legal ist.

Ich darf unterdessen wieder einmal an meinem Geduldsthema arbeiten. Ich wollte so schnell wie möglich nach Wien und Bratislava – und einmal mehr vergass ich, dass der Weg das Ziel ist… also Lieblingslied an und jede Sekunde geniessen.

Vorurteile widerlegt

Als dann die Durchsage kommt, dass sie nicht wissen, ob der Zug überhaupt los fährt, steige auch ich aus und versuche einen Schaffner zu fragen, wie ich denn jetzt nach Ulm komme. Ein älterer Herr kommt mir zuvor. Er muss ebenfalls weiter nach München, also schliesse ich mich ihm an. Wir werden Reisegefährten.

Nach dem ersten Eindruck dachte ich mir, normaler 0815 Typ, keine Gemeinsamkeiten. Durch die längere Reise bis nach München lernte ich den Herrn allerdings etwas besser kennen und musste feststellen, dass meine Vorurteile wieder mal überhaupt nicht gestimmt haben. Plötzlich befanden wir uns in einer Diskussion über eine zuckerlose Ernährung, Permakultur und spirituelle Heiler.

Nach München reiste ich alleine weiter. Als ich dann im Zug sass, wurde ich Zeuge einer sehr berührenden Situation. Ein älteres Ehepaar steigt in den Zug. Er bringt sie in ein leeres Abteil und küsst sie dann zum Abschied. Dann steigt er wieder aus und läuft zu dem Fenster, vor dem sie sitzt. Beide nehmen ihre Smartphones aus der Tasche. Bis der Zug abfährt, telefonieren sie und sehen sich durch das Fenster. Er schickt ihr dann nochmals ein paar Küsse und los geht die Fahrt. Ein Bild der Liebe das man selten sieht.

Ich geniesse die Sonne auf meinen Händen und im Gesicht, während die Landschaften an mir vorbeifliegen. Ich atme die Berge ein, sie riechen stark und weise. Maibäume stechen wie Zahnstocher in der Landschaft und Rehe grasen unbeeindruckt des vorbeirasenden Zuges auf  Wiesen.

Hundertwasser in Wien

In Wien stieg ich erst mal aus und schaute mir das Hundertwasserhaus an, bevor ich weiter nach Bratislava fuhr. Was für ein Haus. Was für ein Mann! Erst im Nachhinein las ich, was der Künstler alles erlebt hatte. Er hatte ein fast autarkes Haus in Neuseeland, hat sich für Naturschutz und die Umwelt eingesetzt. Nicht zuletzt auch in dem er alternative Gebäude gebaut hatte, in dem ein Zusammenleben mit der Natur möglich ist. Und ich plane ein Tiny House zu bauen um genau das gleiche zu tun… 😉

Grosszügig sein

Ein Thema, das mich seit längerem beschäftigt ist die Grosszügigkeit. Ich tendiere manchmal dazu, Dinge für mich alleine haben zu wollen, sei das ein Stück Schokolade oder Geld. Das Leben hat mir aber einige Lehrer an die Seite gestellt. So auch Felix, der mich unterstützt, mein eigenes „Business“ aufzubauen.

In Wien wurde ich dann mit einem weiteren Beispiel bereichert. Ein älterer Obdachloser kam mit dem Trolley in den Park. Obwohl gerade er wahrscheinlich selbst sehr wenig besass, fütterte er die Enten mit Brot und freute sich daran. Die Gabe zu geben, auch wenn man selbst wenig besitzt, kann ich dem Herrn definitiv abgucken.

Das Wiedersehen mit Seelenverwandten

Nach einem Tag Zugfahrt wurde ich von Johana am Bahnhof abgeholt. Zwei sich umarmende und lachende Gestalten freuten sich sehr, endlich wieder in Person miteinander kommunizieren zu können.

Die folgenden Tage wurde ich kulinarisch verwöhnt. Johana kocht leidenschaftlich gerne und gut – natürlich vegan. Wir tauschten Rezepte aus und freuten uns, dass jemand anders sich genauso über vegane Gerichte freut, wie wir selbst.

Es war, als ob wir nie etliche Kilometer voneinander getrennt waren. Wir erzählten einander unsere Themen, mit denen wir momentan so beschäftigt sind. Wir machten Witze und genossen die ersten Frühlingsstrahlen entlang der Donau (Danube).

Wie sehr hatte ich diese Frau in meinem Leben vermisst. Einfach verstanden zu werden. Akzeptiert zu werden, so wie man ist. Und ein offenes Ohr zu haben, welches zuhört und tolle Inputs gibt.

Von der Positivität gelenkt

Am nächsten Morgen lief ich entlang der Donau ins Stadtzentrum, während Johanna arbeiten gehen musste. Ich hatte keine Karte, keine Beschreibung und keinen Plan. Ich liess mich einmal mehr einfach führen und folgte meinem Herzen, wie ich es sieben Monate beim Backpacken gemacht hatte.

Schon bald stand ich vor einem Schild: „You need a coffee? Come in. You need a cake? Come in. You need a smile? Come in“. Ein lachender Slowake begrüsste mich herzlich. „Do you have anything vegan, like with no animal products..?“, fragte ich, obwohl ich damit rechnete, dass ich wieder umdrehen musste. „Yes, we have these raw vegan cakes with no sugar added“, strahlte er und wies auf die Torten vor sich. So einfach war es, eine zuckerfreie, vegane und leckere Torte in Bratislava zu finden.

Danach lief ich hoch zum Schloss, liess mir die Sonne ins Gesicht scheinen und hörte mir mein momentanes Lieblingslied von Alexia Chellun an: Together we roam.

Zurück zur Natur – Verbindung mit Pacha Mama

Johana’s Wohnung liegt direkt an der Donau, mit freier Sicht auf den Fluss, Wald und die immer noch kahle Winterlandschaft Bratislavas. Ich sehe vor allem andere Häuser, wenn ich zuhause aus dem Fenster gucke (bis wir unser Tiny House gebaut haben…).

Die Frühlingstemperaturen und die Sonne taten mir so gut, ich verbrachte viel Zeit draussen. Ich spürte, wie sich mein Körper nach Erdung sehnte, nach den langen Wintermonaten, die ich drinnen verbracht hatte. Ich ging jeden Morgen früh raus und machte Yoga auf dem noch kalten, herdigen Boden.

Ich streckte meine gespreizten Finger zum Himmel und verwurzelte mich mit meinen Füssen in die Erde. Ich liess mein Blut frei fliessen, wie das Wasser in der Donau. Die Natur zeigte mir vor, wie es geht. Und sobald ich mich ihr anvertraue, zeigt sie mir den Weg.

Lernen nichts zu tun

Mir fiel auf, wie Johana einfach sein konnte, ohne produktiv herumzurennen, wie ich mir das „angewöhnt“ habe. Zuhause würde ich Blogbeiträge schreiben, Haushalt machen, dies und jenes erledigen. Vieles davon am Laptop, welchen ich absichtlich mal zuhause gelassen. Auch ich verdiene mir einen Urlaub.

Wie lange hatte ich schon einen Tag lang einfach nichts erledigt. Einfach nur den Tag genossen. Und wie gut sich das anfühlte! Essen, wenn ich Hunger hab, Lesen, wenn ich Lust habe, Schlafen, wenn ich müde bin und in die Natur, wenn ich Bewegung und Erdung brauche.

Passend dazu empfahl mir Johana ein Buch (Rise Sister Rise), in welchem beschrieben wird, dass es vollkommen okay ist, auch mal zu ruhen. Dass es beide Pole braucht, den aktiven und passiven. Und wir in dem männlich geprägten Gesellschaftssystem wieder lernen können, Frau zu sein.

Ich bin selbstständig, ich kann arbeiten wann ich will und wie lange ich will. Und trotzdem habe ich es bisher so gemacht, wie die heutige Gesellschaft es vorzeigt. Ich habe mich an den Laptop gesetzt, auch wenn ich müde war und Schlaf gebraucht hätte. Ich dachte mir, ich kann es mir nicht leisten. Obwohl ich nach einer Pause wahrscheinlich viel kreativer und effektiver gewesen wäre.

Also hiess es für mich jetzt: Slow down in Slowakia, take it easy. Ich möchte nicht nur eine Saison lang einen tollen Blog auf die Reihe bekommen, sondern ein lebenlang eine erfüllende Tätigkeit ausüben können. Wie es uns die Natur vorzeigt, gibt es eine Zeit zum Sähen, zum Ernten und eben auch zum Ruhen. Gerade der Winter und auch das Alter (und bei Frauen die Menstruationszeit) eignen sich sehr dafür, einen Zahn zurückzuschalten.

Und genau das habe ich auch getan, oder zumindest versucht, seit ich zurück bin… meine Heimreise verlief übrigens ohne nennenswerte Verspätung 😉

Ďakujem Johana – Love you to the moon and back <3

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