Die Geschichte des Lichtes – Wundervolle Wintersonnenwende

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Die Geschichte des Lichtes – Wundervolle Wintersonnenwende

2018-01-22T16:10:35+00:00Dezember 21st, 2017|Rituale, Spirituell|

Ja, dies ist eine Weihnachtsgeschichte. Nein, weder Santa noch das Christkind kommen darin vor. Diese Geschichte handelt vom Ursprung des Weihnachtsfestes, vom Licht und der Sonne.

Früher war alles… anders!

Es ist Winter – Kälte, Dunkelheit und Schnee in grossen Mengen. Während wir heute hell beleuchteten Shoppingmalls Weihnachtsgeschenke einkaufen können, egal ob es draussen dunkel oder hell ist, konnten unsere Vorfahren höchstens mit Feuer und Kerzen etwas Licht und Wärme zu verbreiten.

Während wir an Weihnachten Ananas, Mango, Tomaten und Avocado essen können, gab es damals die Vorräte, die durch den Sommer und Herbst gesammelt wurden.

Und – während wir unseren Alltag leben, Licht anzünden und Heizung aufdrehen, mit Shorts in der Wohnung vor dem Fernseher sitzen können – erzählten sich die Menschen eingekuschelt vor dem Feuer Geschichten.

Der Winter war die Zeit zum Zurückziehen, Besinnen und Erholen. Doch er hatte auch etwas Bedrohliches: Die Kälte und die beschränkten Vorräte bedeuteten auch einen Kampf ums Überleben. Davon bekommen wir hier nichts mehr mit.

Die Wintersonnenwende: Unser Sonnensystem
Warum entstand denn gerade in dieser dunklen, kalten Zeit ein Fest des Lichtes?

Dies lässt sich ganz einfach am Sonnensystem erklären. Weil sich die Erde um die eigene Achse dreht, und gleichzeitig um die Sonne, ändert sich die Dauer und Intensität der Sonneneinstrahlung. Was wir in der Schule als Theorie lernen, ist schon Jahrtausende bekannt: Wer an einem Ort jeden Tag die Sonne beim Auf- und Untergehen beobachtet, der wird bis zum 21. Dezember die Sonne immer später aufgehen sehen, und danach wieder früher. Genau darin liegt der Ursprung von Weihnachten. Denn schon lange bevor Jesus das Licht der Welt erblickte, wurde ein Fest in dieser Zeit gefeiert. Das Lichterfest. Am kürzesten Tag des Jahres, gefolgt von der längsten Nacht, dem 21. Dezember, findet die Wintersonnenwende statt. Das bedeutet, dass ab dieser Nacht die Tage wieder länger werden, und die Nächte kürzer.

Das Fest des Lichtes
Das Fest wurde in vielen Kulturen gefeiert. Denn es bedeutete die Wiedergeburt des Lichtes, der Sonne. Bei den Germanen und Kelten wurde dieses Fest Julfest genannt. In den skandinavischen Sprachen heisst Weihnachten immer noch Jul.

Je weiter im Norden Europas, desto länger dauern die Winter. Mehr Licht bedeutete also nicht nur hellere Tage, sondern dass das Überleben einfacher wird. Wenn die Vorräte zur Neige gehen, bedeutet Licht, dass die Felder bald wieder bestellt werden können und neue Nahrung auf den Tisch kommen wird. In fast allen Kulturen findet eine Sonnenverehrung statt, sei dies bei den Römern oder bei den Inkas.

Vom Geburtstag der Sonne zum Geburtstag des Sohnes
Da stellt sich nun die Frage, wie aus dem Lichterfest die Geburtstagfeier vom Christkind wurde… Jesus hat, so sagen gewisse Forscher, gelebt, aber sein Geburtstag war im Sommer oder Herbst und nicht im Winter. Warum wurde dann für Weihnachten der 25. Dezember ausgesucht?

Im alten Kalender fiel die Wintersonnenwende auf den 25. Dezember. Als das Christentum sich verbreitete, «überschrieben» die Christen die heidnischen Feiertage sozusagen. Nachdem im 5. Jh. das Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reiches wurde, wurde Weihnachten von Kaiser Justinian zum Staatsfest erklärt. Doch nicht nur Weihnachten, sondern ganz viele christliche Feiertage basieren auf einem heidnischen Fest. Um den Übergang zum Christentum einfacher zu gestalten, wurde der «Geburtstag der Sonne» zum Geburtsfest des Sohnes, des Christkindes.

Die 12 Rauhnächte
Zurück zum Julfest. Schon damals wurde die Wintersonnenwende mit gutem Essen, der Familie und viel Lichter und Feuer gefeiert. Das Julfest dauert allerdings nicht nur einen Tag, sondern 12 Nächte, die sogenannten Rauhnächte. Warum 12? Zustande gekommen sind die Rauhnächte aufgrund der Diskrepanz zwischen dem Sonnenjahr und dem Mondjahr: Ein Mondmonat, also die Mondphasen von Neumond zu Neumond dauert ca. 29,5 Tage. 12 Mondmonate ergeben somit genau 354 Tage für das Mondjahr. Das Sonnenjahr von Wintersonnenwende zu Wintersonnenwende dauert aber bekanntermaßen ca. 365,25 Tage. Es verbleibt eine Differenz von 11 Tagen und damit 12 Nächten. Dies sind die 12 Rauhnächten, die auch heute noch bekannt sind. Das alte (Mond-)Jahr ist vorbei und das neue hat noch nicht gestartet.

Die Rauhnächte gab es ebenfalls in verschiedenen Kulturen und war die Zeit zum Ruhen und mit der Familie und Sippe die Wiederkehr des Lichts zu feiern. Es wurde geglaubt, dass in dieser Zeit die Seelen der Toten die Lebenden besuchten und Gespenster herumirrten. Je nach Auffassung starten die Rauhnächte am 21.Dezember oder nach christlicher Auslegung am Heiligabend bis am 6. Januar, dem Dreikönigstag.

Die Rauhnächte gelten als eine magische, bedrohliche und besonders wilde Zeit. Ein Brauch ist bis heute geblieben, das Bleigiessen. Die 12 Nächte stehen symbolisch für einen Monat im Folgejahr. Mit persönlichen Orakeln und Träumen wurde so ein Blick in die Zukunft geworfen. In dieser Zeit sollte nicht gearbeitet werden, sondern Rückschau auf das vergangene Jahr halten.
Der Name kommt von rau, grob, ungezähmt oder von Rauch, denn in dieser Zeit ist es Brauch, die Häuser von negativen Schwingungen und dem alten Jahr zu befreien, indem man mit Rauch von Zimmer zu Zimmer geht. Die Rauhnächte sind auch dazu da, altes hinter sich zu lassen, was mit dem Räuchern symbolisiert wurde.

Dunkelheit und Licht – Schlecht und Gut
Diese zeitlose Zeit, der wilde Übergang war geprägt davon, dass das Alte noch nicht ganz gegangen ist und das Neue noch nicht stark genug. Die Sonne scheint zwar schon wieder länger, doch kaum merkbar und der Winter ist noch nicht vorbei. Man glaubte, dass nun ein Kampf zwischen den todbringenden Mächten der Finsternis und den belebenden Kräften des Lichtes herrschte, oder anders ausgedrückt: Es ist eine besonders empfindsame Zeit, da der kleine Lichtfunk sich erst am Entfalten ist und noch Schutz braucht.

Dieser Kampf zwischen Dunkelheit und Licht, Gut und Böse spiegelt sich in der Dualität wieder, die auf dem Planeten herrscht und die Menschheit seit jeher prägte. Die meisten Geschichten, von Harry Potter bis zur Bibel, beschreiben den Kampf zwischen hell und dunkel, gut und Böse. Kriminalität findet oft im Schutz der Nacht statt, die Rate steigt im Winter, genauso wie die Selbstmordrate. Im Gegenzug davon zünden wir Kerzen für jemanden an, schicken ihm Licht und Liebe und sprechen von Erleuchtung.

„Tausende von Kerzen kann man am Licht einer Kerze anzünden, ohne dass ihr Licht schwächer wird. Freude nimmt nicht ab, wenn sie geteilt wird.“ – Siddharta Gautama Buddha

Während Sonnenanbetung bei uns meistens nur noch am Strand stattfindet, wurde und wird die Sonne in schamanischen Kulturen verehrt. Wir alle wissen, dass es ohne Licht kein Leben gibt. Doch auch die Dunkelheit ist nötig dazu. Diese Dualität existiert nur, weil es beide Seiten gibt: Frau und Mann, Ebbe und Flut, Einatmen und Ausatmen, Tag und Nacht. Wir sind diejenigen, die sie werten, in Gut und Böse unterteilen. So haben auch wir Schattenanteile, Qualitäten, die wir vielleicht nicht so schätzen. Aber sie gehören genauso zu uns, haben uns genau hierhergebracht.
Wenn wir im Einklang mit diesem Wechselspiel tanzen, leben, können wir beide Pole ehren – Mann und Frau, Nacht und Tag, Dunkelheit und Licht.

In diesem Sinne wünsche ich ein wundervolles Lichtfest, besinnliche Weihnachten und gemütliche Festtage!

Michelle

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