5 etwas andere Gründe, warum wir ein Tiny House bauen wollen

////5 etwas andere Gründe, warum wir ein Tiny House bauen wollen

5 etwas andere Gründe, warum wir ein Tiny House bauen wollen

2018-05-06T14:58:46+00:00 Dezember 18th, 2017|Planung, Tiny House Living|

Die Liste mit Vorteilen, die ein schnuckeliges Tiny House so mit sich bringt, ist lange. Beiträge dazu gibt es viele, denn die aus den USA stammende Bewegung hat sich unterdessen auch in Europa breitgemacht. Medien lieben die kreativen, selbstgebauten und oft sehr nachhaltigen Wohnoptionen.

Die Bauenden und Bewohner schätzen die Nähe zur Natur, lernen minimalistisch zu leben und versiegeln mit der Trailer-Version der Mini-Häusern auch keinen Boden. Durch die winzige Fläche ist auch der Energieverbrauch sehr niedrig. Eine tolle Alternativen in der heutigen Zeit, wo grösser meist als besser gewertet wird…

In diesem Artikel werde ich aber nicht auf diese oben genannten Punkte, sondern auf 5 etwas andere Gründe eingehen, warum das Wohnen auf kleinstem Raum so verlockend ist. Vielleicht überzeugt es dich ja auch, dass «klein aber oho» manchmal übertrumpft.

5 tiefe Gründe für ein Tiny House

1. Eigenverantwortung

Ja, Eigenverantwortung! Denn wer sein eigenes Heim hat, keine Miete bezahlt, selber für die Heizung, den Strom, die Wasserversorgung und die Reparaturen verantwortlich ist, der ist eben nicht nur verantwortlich – sondern eigenverantwortlich.

Als ich das erste Mal von zuhause auszog, nervte es mich, dass ich in einem Haus wohnte, wo es keine Solaranlage, keine nachhaltigen Heizmethoden und keinen Garten mit Komposthaufen gab. Und da ich weiss, dass ich mit jedem Euro ein Votum gebe, zahle ich ganz viel an einen reichen Hausbesitzer, der sich weitere, nicht nachhaltige Häuser bauen oder kaufen kann. Das passt mir nicht. Gleichzeitig ist es in dieser Situation leicht, die Verantwortung abzugeben, zu sagen, dass «frau» nichts tun kann.

Denn ein grosses Haus zu kaufen, jetzt in meinen «Kükenjahren», wie viele meiner älteren Freunde sagen würde, macht keinen Sinn. Erstens habe ich das Geld nicht und zweitens, wüsste ich noch nicht genau, wo ich mich stationieren wollte… und drittens hätte ich zu wenig Besitz, um es zu füllen.

Die Lösung fand ich eines Tages im Internet: Eine Studentin, die ein Tiny House baute. Ich war sofort begeistert. Seit diesem Tag hat mich die Idee nicht mehr losgelassen. Und jetzt stecken wir in mitten der Planung für ein Tiny House für Zwei: Mich und meinen Freund.

Indem wir entscheiden können, welche Baumaterialien verwendet werden, ob wir Solaranlagen aufs Dach wollen und mit was wir heizen, kann ich eigenverantwortlich handeln und meinen ökologischen Abdruck so gestalten, wie es für mich stimmt. Ich kann nicht die ganze Welt verändern. Vielleicht nicht einmal meinen Vermieter davon überzeugen, nachhaltigere Optionen zu wählen. Aber ich kann meinen Teil dazu beitragen, Eigenverantwortung übernehmen und mein Leben so nachhaltig gestalten, wie es mir in diesem Moment möglich ist… und so wird die Welt Stück für Stück geheilt.

2. Unabhängigkeit

Tiny Häuser werden oft auf Räder gebaut und sind somit transportierbar. So versiegeln sie auch keinen Boden und können mitgenommen werden, wenn einem die Liebe oder die Arbeit an einen anderen Flecken der Welt zieht. Doch Unabhängigkeit geht über die Mobilität hinaus.

Unabhängigkeit kann ich mit meinem Tiny House auch dadurch erreichen, dass ich weniger Geld brauche, weniger Miete zahlen muss – und somit auch weniger Einnahmen brauche. Mir kann weder die Wohnung gekündigt werden, noch bekomme ich eine Mieterhöhung. Diese Freiheit hat man mit einem Tiny House und ich freue mich schon wahnsinnig. Weniger Ausgaben heisst auch, der «Zwang» zu arbeiten wird minimiert. Ich kann das tun, was mir gefällt – und darum geht es doch im Leben.

Da wir auch ein Permakultur-Projekt am planen sind, wird diese Unabhängigkeit auch (hoffentlich) grosse Teile der Nahrung beinhalten. Je autarker unser ganzes System wird, desto unabhängig werden wir. Ziel wäre es, den Grund auf dem wir stehen Wasser- und Stromautark zu machen, sodass auch weitere Tiny Houses dazukommen können und sich eine Gemeinschaft formen kann, aber dazu mehr im nächsten Punkt.

3. (Zusammen)Arbeit(en) mit den Händen

Vielleicht ein Argument, das viele von uns benötigen könnten. Auch ich sitze täglich mehrere Stunden vor dem Bildschirm und blogge oder bilde mich weiter. Dank meinen DIY Projekten haben meine Hände ab und zu auch was anderes als die Tastatur unter sich, aber etwas mehr Bewegung täte mir ganz gut.

Um ein Haus zu bauen braucht es viele Hände. Es ist ein Projekt, in dem Menschen sich begegnen und einen Teil zu etwas Grösserem beitragen, das meiner Meinung nach sinnvoll ist. Falls du auch mal Hand anlegen willst oder dir das Projekt vor Ort anschauen möchtest, bist du herzlich eingeladen. Jede Hand ist willkommen – das sagt auch das schöne Sprichwort aus Afrika: «Wenn du schnell gehen willst, dann gehe alleine. Wenn du weit gehen willst, dann mußt du mit anderen zusammen gehen.»

Denn genau das fehlt uns oft in unseren Leben des 21. Jahrhundert. Es ist so leicht, sich hinter einer Online-Fassade zu verstecken und so langsam zu vereinsamen. Und deswegen ist es umso wichtiger, auch mal wieder raus zu gehen, sich offline auszutauschen und gemeinsam etwas zu gestalten.

4. Weniger Putzen – Mehr Leben

Richtig geraten, ich bin nicht gerade die geborene Putzfee. Meine Kindheit habe ich im verstaubten, unaufgeräumten Zimmer gelebt. Meine Mum hat aufgegeben das Chaos-Kind zum Ordnungs-Mädchen zu überreden und hat mir mein Reich überlassen. Überaschenderweise bin ich jetzt aber viel mehr wie sie rausgekommen, als ich das geplant habe 😉 Ich mag es ordentlich und sauber. Trotzdem verbringe ich meine Zeit lieber mit anderen Sachen als mit dem Putzen.

Eine kleine Hausfläche bedeutet auch weniger Staub, weniger Putzen und mehr leben. Und davon kann man ja nie genug haben. Von meinem Sommer im Wohnwagen weiss ich, wie viel weniger Haushalt anfällt, wenn sich die Fläche verkleinert…

5. Bewusst leben

Der letzte Punkt hängt wieder mit dem ersten zusammen. Ich möchte wissen, was es heisst, ein Haus zu bauen. Ich möchte auch wissen, was es heisst, ein Haus warm zu halten und mit Energie zu versorgen. Wie viel Wasser verbraucht man eigentlich und wie kann man den Konsum nachhaltiger gestalten? Wer ein Tiny House baut muss sich wohl oder übel mit diesen Faktoren beschäftigen. Dies schafft aber auch viel Bewusstsein: Man kann wieder dankbar sein dafür, dass wir im Winter Licht und Wärme auf Schalterdrücken zur Verfügung haben und einen bewussteren, nachhaltigen Weg mit den Ressourcen finden.

Bewusst leben heisst auch im Einklang mit der Natur sein. Im Hochhaus in der Stadt zu wohnen mag für die einen stimmen. Ich gehöre allerdings eher zur Kategorie «Landei». Auch wenn ich nicht immer so oft draussen bin, wie ich es mir vornehme – jedes Mal wenn ich in die Natur gehe, steigt meine Laune.

Meine Vorfahren hätten sich wohl im Grab gedreht, wenn sie wüssten, dass ich eine App auf meinem Handy habe, welche die Mondphase anzeigt. Sowas braucht man nicht, wenn man näher an der Natur lebt – und mit ihren Rhythmen lebt.

Ich kann es unterdessen fast nicht mehr erwarten, endlich Hand anzulegen und anfangen zu bauen… und auf die erste Nacht im Tiny House freue ich mich mehr als jedes Kind an Weihnachten 😉

4 Comments

  1. Fiona 21. Dezember 2017 at 11:00 am - Reply

    Hey Michelle 🙂
    So cool, dass ihr das Projekt anpackt!! Ich wünsche euch ganz viel Erfolg und Spass und hoffe, wir können uns weiterhin über Tiny Houses und bewusstes Leben austauschen. Ich komme ganz sicher mal zu Besuch. Wenn ich euch mit irgendwas behilflich sein kann, meldet euch einfach!
    Liebe Grüsse aus Züri,
    Fiona

  2. michelle 21. Dezember 2017 at 11:29 am - Reply

    Hi Fiona
    Herzlichen Dank für deine liebe Nachricht =)
    Jaa, wir wollten dich auch schon lange besuchen kommen… im neuen Jahr schaffen wir’s bestimmt. Ich freu mich natürlich sehr über jeglichen Austausch und wünsch auch dir viel Erfolg beim Weiterbauen
    (und erstmal auch wunderbare Festtage)
    Herzliche Grüsse
    Michelle

  3. Heiner 18. Februar 2018 at 12:10 am - Reply

    Super Sache,
    kann man da noch mitmachen?

    • michelle 18. Februar 2018 at 7:06 am - Reply

      Hi Heiner

      Schreib mir doch mal ne Mail, wo genau und wie genau du mitmachen möchtest… Anhänger ist bestellt und kommt bald 😉 Hilfe können wir immer gebrauchen.

      Herzliche Grüsse, Michelle

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